Kunsthistorisches Museum

Jahresausstellung 2017 im Kunsthistorischen Museum

Neo/Neu – Wiederentdeckt im Kunsthistorischen Museum

Inspiriert durch die einzigartige Gotik-Ausstellung, die ab 2. Mai 2017 im Museum des Stiftes Admont zu sehen sein wird, zeigt auch das Kunsthistorische Museum Admont in der Saison 2017 einige spezielle Raritäten:

Nach dem Brand des Klosters 1865 wurde die Stiftskirche Admont im damals modernen neugotischen Stil wiederaufgebaut. Im Zuge des Neubaus entstand für die Kirche, aber auch für die stets gegenüber der Kunst offenen Mönche, eine Fülle an liturgischen Objekten, die sich an die mittelalterliche Gotik anlehnen. Diese Kelche, Ziborien, Monstranzen, etc. reichen zwar nicht an die große Kunst der mittelalterlichen Gotik heran, sind aber dennoch spannende Zeugen einer Kunstepoche, die nicht nur in Admont mit der Stiftskirche einen bedeutenden Niederschlag gefunden hat, sondern am gesamten europäischem Kontinent. In den letzten Jahren war es ein Schwerpunkt für den Kustos P. Maximilian, gerade diese – leider oft eher geringschätzig betrachteten Gegenstände – restaurieren zu lassen. Ein Teil davon soll nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Nach einer längeren Pause wird aus der Paramentenkammer wieder Frater Benno Haans „Weihnachtsornat“ zu sehen sein, das Hauptwerk des Admonter Mönchs aus den 1680er Jahren. Reichhaltig im Bildprogramm, Nadelmalerei von höchster Qualität – ein wunderschönes Zeugnis barocker Kunst, gefertigt im Stift Admont und stets verwendet zur Ehre Gottes. Daneben – erstmals ausgestellt – ein barocker Ornat in der seltenen liturgischen Farbe rosa, ein Meisterwerk der Webtechnik.

Kustos: P. Maximilian Schiefermüller OSB

 

Museum KHM Kaschauer Madonna1Das Kunsthistorische Museum beinhaltet bedeutende Exponate von der Romanik bis zum Rokoko, Gemälde, Skulpturen, Textilien und viele andere Objekte aus der Paramenten – bzw. Kunstkammer der Abtei Admont. Im Eingangsbereich wird der Besucher von einer erst jüngst erworbenen Rarität „begrüßt“: Von einer gotischen Madonna mit Kind aus dem 15. Jahrhundert, geschaffen von Jakob Kaschauer. Eindrucksvoll in Großvitrinen präsentiert sich eine jährlich wechselnde Auswahl an Objekten aus der Paramentenkammer des Stiftes. Unter diesen gottesdienstlichen Gewändern aus verschiedensten Epochen befindet sich die sogenannte Gebhardsmitra (Ende 14. Jh.) und eine Totenkasel (16. Jh.). Höhepunkt der Textilien-Sammlung ist das umfangreiche Werk des Admonter Benediktiners Benno Haan (1631-1720). Er hat für das Stift Admont eine Fülle an liturgischen Kleidern und Ornaten geschaffen, jedes Stück von unschätzbarem Wert und höchster Qualität. Siehe einen Beitrag zu „Prachtornate von Frater Benno Haan„.

Kunsthistorisches MuseumNeben den Paramentenstickereien finden sich im Kunsthistorischen Museum Glasmalereien und Tafelbilder des 15. Jahrhunderts, ein Tragaltar (1375), der Gebhardsstab mit Elfenbeinschnecke (12./13. Jh.), ein Abtsstab gearbeitet aus einem Narwalzahn (um 1680), die prachtvolle barocke Festmonstranz, Kelche, Brustkreuze der Äbte, sowie Gemälde bedeutender österreichischer Barockmaler wie Martin Johann Schmidt („Kremser Schmidt“), Martino und Bartolomeo Altomonte, Johann Lederwasch, u.v.m. Dem Stiftsbildhauer Josef Stammel (1695–1765) ist ein eigener Raum gewidmet.

Raum für künstlerische Intervention im Kunsthistorischen Museum 2017

Carola Willbrand, HimmelsHöllenKleid, 2017

Carola Willbrand geb. 1952, „Nähmethodikerin“, lebt und arbeitet in Köln, aufgewachsen mit der Kunst aus dem Umfeld der Rheinischen Expressionistinnen ihrer Tante, Käthe Schmitz-Imhoff (Schwester ihres Vaters), die erste Frau, die bei Heinrich Nauen an der Düsseldorfer Akademie studierte. Ausstellungstätigkeit seit 1981, in denen der Faden als Metapher für den Lebensfaden auf unterschiedlichsten Materialien das tragende Element bildet.

„Ich nähe, darum bin ich“, Carola Willbrand

Im Kunsthistorischen Museum steht seit 2003 ein Raum für künstlerische Interventionen zur Verfügung. Ein Portal trennt die alte von aktueller Kunst. Man durchschreitet sozusagen in einer Sekunde etwa 200 Jahre. Dadurch kann erleb- und spürbar werden, wie sehr sich das Stift Admont mit der Kunst der Gegenwart identifiziert, wie es diese mit der Kunst vergangener Epochen in einen vitalen Dialog bringt. 2017 ist der Raum für künstlerische Intervention unter dem Titel „HimmelsHöllenKleid“ von Carola Willbrand gestaltet. Eine Glockenkasel schwebt ähnlich einem Zelt im Raum. Sie hängt auf einem Paramentenbügel für die museale Präsentation liturgischer Textilien. Das Material ist handgeschöpftes Papier aus getragenen Textilien der Künstlerin. Über das Papier bewegt sich ein Totentanz. Diese Zeichnungen sind mit der Hand genäht. Der Tod begleitet all die NäherInnen und StickerInnen, der MenschenGewänder, der Tod begleitet die Weltreisen der Textilien seit der Entdeckung der Seestraßen nach Asien Anfang des 15. Jahrhunderts. So wurden Muster, Blumen, Tiere aus China in die europäischen liturgischen Stoffe eingearbeitet. Heute kleiden wir uns mit Billigtextilien aus Asien, die unter unmenschlichen, tödlichen Bedingungen hergestellt werden.

Dieses ‚HimmelsHöllenKleid‘ ist umgehbar. Die Nähzeichnungen mit ihrer Verschiedenfarbigkeit des Ober- und Unterfadens sind sowohl von außen als auch von innen sichtbar. Dieses Kleid, das auch ein Zelt ist, das Himmelszelt als Schöpfungsbild, bezieht sich auf die historischen liturgischen Textilien im Benediktinerstift Admont. Der Totentanz ist eine Reaktion auf die neue Gotik-Ausstellung im Stift Admont. Die einzelnen handgeschöpften Papiere sind einem Leporello ähnlich zusammenfaltbar. Das Leporello als Mittel ein Künstlerbuch raumfüllend skulptural zu gestalten, das beschäftigt Carola Willbrand schon lange. Die Anbringung von speziellen Textausschnitten als FadenLese an der Wand entwickelte Carola Willbrand spontan vor Ort – ebenso durch den Einfluss der neuen Gotik-Ausstellung. Die Schrift bezieht sich auf die Textura, die gotische Schrift, die auch Gitterschrift genannt wird. Die Schrift und die Textauswahl verweisen auf die Bedeutung und Wirkung unserer historischen Wurzeln auf die Jetztzeit.

Chronologie der Künstlerischen Interventionen (kuratiert von Michael Braunsteiner):

Franz Graf (2003), Ingeborg Strobl (2004), Markus Wilfling (2005), Norbert Trummer (2006), Thomas Baumann und Martin Kaltner (2007), Stefan Emmelmann (2008), Wilhelm Scherübl (2009), Werner Reiterer (2010), Karl Leitgeb (2011), Hannelore Demel-Lerchster (2012), Emil Siemeister (2013/14), Götz Bury (2015/16), Carola Willbrand (2017)

Das Kunsthistorische Museum ist wie das gesamte Museum barrierefrei zugänglich!

Zu den weiteren Ausstellungen 2017:

DEM HIMMEL NAHE- Sammlung Mayer

20 Jahre Sammlung Gegenwartskunst – OPEN THE LINK