Gegenwart

Aus dem reichen Schatz an Handschriften und Frühdrucken, den die Bibliothek des Benediktinerstiftes Admont birgt, werden im Rahmen einer jährlich wechselnden themenorientierten Ausstellung zehn bis zwölf repräsentative Schriftwerke gezeigt.

Für diese Sonderausstellungen steht ein eigener „Handschriftenraum“ zur Verfügung, der den modernsten Anforderungen entspricht: Zum Schutz der Bücher ist der Raum stark abgedunkelt; die Handschriften und Frühdrucke befinden sich in formschön konstruierten Hochsicherheitsvitrinen, die von innen beleuchtet sind. Der Handschriftenraum befindet sich gegenüber der Bibliothek, womit die ausgestellten Werke quasi in regionale Nachbarschaft ihrer einstigen Aufstellungsstätte kommen und sich damit ein harmonischer Dialog zwischen Bibliothekssaal und Handschriftenraum mit seinen wertvollen Exponaten ergibt.

Handschriften- und Inkunabeln-Ausstellung 2011:
Ein Ordensmann als Humanist und Büchersammler
Abt Antonius I. Gratiadei (1483-1491) und seine „Privatbibliothek“
Kurator: Johann Tomaschek

Unter den vielen Äbten des Benediktinerstiftes Admont stellt Antonius Gratiadei eine der außergewöhnlichsten und schillerndsten Persönlichkeiten dar – sowohl bezüglich seiner Herkunft wie auch seiner Lebensgeschichte und seiner Hinterlassenschaft.

Er stammte aus Venedig und gehörte ursprünglich dem Minoritenorden an, wirkte später als Theologieprofessor in Paris und Löwen und trat schließlich als Diplomat in die Dienste Kaiser Friedrichs III. Diese hat dann auch dafür gesorgt, dass der landes-, sprach- und ordensfremde Intellektuelle von den Mönchen des Stiftes Admont zum Abt gewählt wurde.

Gratiadei hatte bereits aus seiner früheren Tätigkeit eine ansehnliche Büchersammlung nach Admont mitgebracht, und er hat diese ganz private „Handbibliothek“ dann auch als Abt noch weiter stark vermehrt. Zu dieser Zeit hatte der Buchdruck schon längst seinen Siegeszug durch Europa angetreten, wobei die bedeutendsten Druckereien insbesondere im oberitalienischen und im süddeutschen Raum zu finden waren. Von dort kam auch der überwiegende Teil jener Bücher her, die sich Abt Antonius im Laufe der Jahre angeschafft hat.

Dass wir in seinem Fall tatsächlich von einem Büchersammler sprechen können, hat einen guten Grund: Dieser Prälat hat jeden einzelnen in seinem Besitz befindlichen Band (zu den 46 gedruckten Werken mit insgesamt 52 Bänden kommen noch zwölf Handschriften) auf der Vorderseite des ersten Blattes eigenhändig mit dem Vermerk „Anth(onius) Abb(as)“  versehen, mit Ausnahme jener beiden Bände, in denen er sich im Porträt darstellen ließ.

Gratiadei hat nämlich, was seiner Sammlung noch zusätzlichen Wert verleiht, ein gutes Dutzend seiner gedruckten Bücher in der Art der mittelalterlichen Kodizes nachträglich mit künstlerischem Schmuck versehen lassen, sodass diese Bände mit ihren blattgoldunterlegten Initialen und Miniaturen und dem sich kunstvoll um die Seiten schlingenden Rankenwerk als wahre Kostbarkeiten in Erscheinung treten.

Doch auch in inhaltlicher Hinsicht erweist sich die „Privatbibliothek“ des Abtes Antonius, die nach seinem Tod in den Gesamtbestand der Admonter Stiftsbibliothek eingegliedert wurde, als großer Schatz: Entsprechend dem ungewöhnlichen Lebensverlauf und den geistigen Interessen dieses Ordensmannes umfasst seine Büchersammlung ein weit gefächertes Spektrum, das sich von den Autoren der klassischen Antike bis zu den zeitgenössischen Theologen und von der Medizin bis zur Geschichtsschreibung spannt. Wir haben es hier jedenfalls mit einer für ihre Zeit im weiten Umkreis einzigartigen Humanistenbibliothek zu tun.

Im Handschriftenraum wird vom 27. März - 06. November 2011, tägl. 10 - 17 Uhr eine Auswahl dieser mit prächtigen Miniaturen ausgestatteten Bücher im Rahmen der Sonderausstellung Sammler-LEIDENSCHAFT gezeigt.


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Handschriften
Handschriften und Inkunabeln zu sehen im abgedunkelten Handschriftenraum
Handschriften
Handschriftenausstellung 2011: Abt Antonius I. Gratiadei (1483-1491) und seine „Privatbibliothek“
Handschrift
Wertvolle Handschriften und Inkunabeln mit besonders schön ausgestalteten Seiten
Handschriftenraum
Im Handschriftenraum werden jährlich wertvolle Handschriften und Paramente gezeigt