Skulpturen und Reliefs

Die Skulpturenausstattung in der Admonter Stiftsbibliothek von Josef Stammel

Die vier letzten DingeIn der Admonter Stiftsbibliothek befinden sich 16 Skulpturen und zwei Großreliefs von Josef Stammel (1695–1765). Vermutlich stammen auch 60 der insgesamt 68 Konsolbüsten mit Gelehrten, Künstlern, Poeten, Bildhauern und Sybillen an den Bücherschränken aus seiner Hand. Stammel stand über vier Jahrzehnte im Dienste des Stiftes Admont. Er war Zeitgenosse Georg Raphael Donners und Bartolomeo Altomontes. Somit gehörte er einer Generation von Künstlern an, die den Spätbarock zu einem letzten Höhepunkt geführt haben. Seine Werke stehen in spannungsreicher Verbindung zur übrigen Konzeption des vom Geist der Aufklärung geprägten Admonter Bibliothekssaales. Josef Stammels Schnitzwerke sind aus Lindenholz gearbeitet. Mit Ausnahme der vergoldeten Büsten sind sie bronziert und erzielen somit eine Materialillusion.

Großreliefs

An den beiden Schmalseiten des Bibliothekssaales befinden sich auf Höhe der Galerie zwei große Reliefs. Das Relief an der Südseite zeigt ein bekanntes Motiv aus dem Alten Testament: Das „salomonische Urteil“ als Inbegriff menschlicher Weisheit. Der im Tempel lehrende Jesus ist gleichsam als das neutestamentliche Gegenstück und Versinnbildlichung göttlicher Weisheit an der Nordseite dargestellt.

HP Stift.Admont.Bibliothek.Nordtrakt.Galerie.Lukas
Evangelist Lukas und das Relief “Jesus im Tempel lehrend”

Die nahezu vollplastisch wirkenden Hochreliefs in den medaillonartig gemalten Rahmungen auf Höhe der Galerie in den beiden äußeren Sälen zeigen insgesamt acht biblische Personen: an der Südseite Repräsentanten des Alten Testaments, Moses und Elias, ihnen gegenüber die Apostel Petrus und Paulus; an der Nordseite die vier Evangelisten Lukas, Johannes, Matthäus und Markus.

Im Obergeschoss des Mittelraumes halten die personifizierten Darstellungen der vier Tugenden in Frauengestalt einen thematischen Dialog: die ewige Wahrheit („veritas eterna“), die göttliche Weisheit („sapientia divina“), die Klugheit („prudentia“) sowie die Wissenschaft („scientia“).

Die vier letzten Dinge
Die Stiftsbibliothek Skulpturen

Ebenfalls unter der Mittelkuppel: Josef Stammels Figurengruppe „Die vier letzten Dinge“, um 1755-60. Die vier überlebensgroßen Standfiguren werden von ausgeprägter Gestik und Mimik bestimmt. Sie stellen den Tod, die Auferstehung (zugleich das Gericht), die Hölle und den Himmel dar. In ihnen findet sich ein zentrales eschatologisches Thema des Barockzeitalters aufgegriffen. Der menschliche Wanderer muss sich im Angesicht seines Todes den letzten Dingen stellen. Im Zuge des göttlichen Gerichtes wird sich später entscheiden, ob ihn die himmlische Herrlichkeit oder höllische Verdammnis erwartet. Die vier Skulpturen stehen einander wohl seit etwa 1800 im Mittelraum zwischen Säulen und Bücherschränken gegenüber. Sie waren ursprünglich jedoch nicht für diesen Aufstellungsort bestimmt. Stattdessen stand davor im Zentrum der Bibliothek das vom Stiftsbrand zerstörte „Universum“.

 

FLI.Stammel, Universum, Stereoskopisch, 1860

 

 

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