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Verortungen - MADE FOR ADMONT #fotografie

Verortungen - MADE FOR ADMONT #fotografie

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Im Jahre 1997 hat das Stift Admont mit dem Aufbau der Sammlung Gegenwartskunst begonnen. Diese befindet sich kontinuierlich im Wachstum. Die Werke stammen überwiegend aus Ankäufen direkt von Künstlerinnen und Künstlern, teils auch von Galerien. Zum Teil wurden sie auch aus Kunstsammlungen erworben oder gelangten aufgrund von Tausch, Schenkungen und Stiftungen in unser Haus. Bereits nach kurzer Zeit hat sich aus den guten und permanenten Kontakten primär zur österreichischen Künstlerschaft eine neue spannende Situation ergeben.

Im Jahre 2000, also noch vor der Eröffnung des neuen Museums, wurde mit Lois Renner der damals „modernste Maler Österreichs“ als erster „artist in residence“ in das Stift Admont eingeladen. Renner kam mit dem Modell „Festung“ seines Salzburger Künstlerstudios und dem zugehörigen Repertoire an Miniaturobjekten in das Stift. Unter permanenter Neueinrichtung dokumentierte er das mobile Modell in seiner neuen Umgebung. Das war die Geburtsstunde der MADE FOR ADMONT-Schiene. MADE FOR ADMONT feiert heuer sein 20-jähriges Bestehen. Seit nunmehr zwei Jahrzehnten werden regelmäßig Künstlerinnen und Künstler zu einem konstruktiven Dialog auf gleicher Augenhöhe in das Stift eingeladen.

Der strenge und enge Begriff „Auftragskunst“ trifft die Sache nicht wirklich. Vielmehr agieren beide Seiten immer als Partner, die ihre Welten in Berührung bringen und aufeinander reagieren lassen - mit dem Ziel, einen künstlerischen Prozess in Gang zu setzen. In den letzten beiden Jahrzehnten sind zahlreiche Kunstwerke aus diesen Begegnungen hervorgegangen. Es wurden wechselseitig Impulse kreiert, Mehrwerte für beide Seiten geschaffen. Und es ist eine eigene Sammlung daraus entstanden.

Die Sonderausstellung 2020 repräsentiert anhand einer Auswahl aus der hauseigenen Sammlung des Stiftes das breite Spektrum an MADE FOR ADMONT-Fotografien. Die gezeigten Werke sind das Ergebnis spezifischer Verortungsprozesse mit Bezug zur Region, zum Stift und zu den hier tätigen Menschen, zum Museum und zu dessen Inhalten. Das Medium Fotografie spielt für die MADE FOR ADMONT-Schiene eine zentrale Rolle. In mehreren Werkserien nehmen die Admonter Mönche eine tragende Rolle ein. Bereits Lois Renner hat ein Porträt des damaligen Abtes Bruno Hubl in der Stiftsbibliothek angefertigt. Erwin Wurm schuf mit “Brothers & Sisters“ einen Fotozyklus, der teils im Jahre 2002 für das Museum im Stift Admont realisiert wurde. Für diesen agierten zwei Admonter Mönche als „One Minute Sculptures“. Rudi Molacek hat anlässlich der Eröffnung des neuen Museums im Jahre 2003 unter dem Titel „Admont“ ein Porträt des Stiftes Admont realisiert. Unter den 100 S/W-Fotos finden sich neben für das Museum relevanten Personen aus dem Kunstbereich sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hauses auch Abt und Mönche porträtiert.

2006 hat Konrad Rainer eine Serie großformatiger monochromer Fotoporträts der Admonter Benediktiner in technischer Perfektion angefertigt, in welchen jedes Detail beinahe hyperrealistisch sichtbar wird. Zu einem intensiven Austausch in Gesprächen und Begegnungen zwischen Kunstschaffenden und Konvent kam es im selben Jahr bei der Entstehung der Fotoserie „overall“ (#1 bis #4) von Judith Huemer. Nur die Oberfläche der schwarzen Mönchsgewänder ist sichtbar. Identifikationsmerkmale wie Gesichter und Körper verschwinden im Faltenwurf der Kukullen. Fabio Zolly ist u. a. mit seinem Beitrag für die Spezialsammlung „Jenseits des Sehens. Kunst verbindet Blinde und Sehende“ aus dem Jahr 2012 vertreten. In S/W fotografiert wurden Admonter Benediktiner und Angestellte des Klosters mit dem Schild „Copyright by Fabio Zolly“ vor Augen. Die ganze Arbeit erschließt sich nur, wenn sich ein blinder, des Lesens der Braille-Schrift befähigter und ein sehender Mensch zusammenfinden.In einer weiteren Arbeit hat Zolly für ein monumentales Foto des Stiftsgebäudes eine Wärmekamera benutzt und sich dem für das Stift wichtigen Energie-Thema gewidmet.Im fotografischen Oeuvre von Robert Zahornicky bildet die Auseinandersetzung mit Bibliotheken, Büchern und deren Dekonstruktion (Shredder) einen Schwerpunkt. Naheliegend, dass er sich auch den Bücherregalen der Stiftsbibliothek, dem Shreddern von Doubletten und dem Admonter Stiftsbrand des Jahres 1865 gewidmet hat.

2005 war die 10-teilige bildliche Intervention Palimpsest von Andreas Horlitz in der Admonter Stiftsbibliothek zu sehen. Es handelt sich dabei um ein Ensemble von übercodierten, enigmatischen Lichtbildern, das aus dem Materialfundus des Stiftes Admont schöpft. Zwei dieser mit Leuchtkästen verbundenen Spiegelarbeiten sind in der Ausstellung vertreten.

Auch MADE FOR ADMONT-Fotozyklen zu diversen Jahresthemen sind im Laufe der Zeit entstanden. Der Medienkünstler Johannes Deutsch hat 2006 wesentliche ortsspezifische Beiträge zum Thema „Das Paradies – Schlangen haben keinen Zutritt“ geleistet. Für diese Ausstellung ausgewählt wurde das ebenfalls palimpsestartige Triptychon „Trittico Paradiso“, das inhaltlich von Zitaten der ganz persönlichen Paradiesvorstellung getragen wird. Komplex und vielschichtig eingewoben wurde Bildmaterial aus den prachtvollen barocken Textilien des Admonter Benediktiners Fr. Benno Haan.

Auf photographische Expedition im Stift Admont haben sich 2016 die Sammlungsfotografen Sebastian Köpcke und Volker Weinhold zum Thema „Zum Fressen Gern“ gemacht. Vor Ort im Naturhistorischen Museum hatten sie die Möglichkeit, historische Präparate mit Objekten des Kulturhistorischen Museums, kostbaren Büchern der weltgrößten Stiftbibliothek und dem Team der Stiftsküche in freier Interpretation zu kunstvollen Stillleben zu vereinen. Beide Themenkreise, „Paradies“ und „Fressen“, berührt die dreidimensional wirkende Fotoinstallation von Hannelore Demel-Lerchster. Sie zeigt einen an der Bissstelle wieder vernähten Apfel mit direktem Bezug zu den historischen Wachsfrüchten von P. Konstantin Keller im Naturhistorischen Museum.

Die Buchbestände der Admonter Stiftsbibliothek waren vor geraumer Zeit von einem massiven Schadinsektenbefall bedroht. Anlass genug für Edgar Lissel, sich ebenfalls mit dem Thema „Zum Fressen Gern“ auseinander zu setzen. Ein Charakteristikum des Fotokünstlers Edgar Lissel ist seine biologische Arbeitsweise. Er setzt lichtsensible Bakterien zur Produktion seiner Bilder ein. Der in der Ausstellung vertretene dreiteilige Fisch wurde in einem speziellen Verfahren von in runden Petrischalen gezüchteten Bakterienkulturen geschaffen, die in Kontakt mit dem Bildobjekt dem Licht ausgesetzt wurden.

Die Ausstellung VERORTUNGEN bietet Einblicke in die Entstehungsprozesse wichtiger Werkzyklen aus dem MADE FOR ADMONT-Fundus. Sie zeigt das Stift Admont aus unerwarteten Perspektiven. Sie lässt das Kloster und seine Menschen in einem anderen Licht erscheinen als dem Gewohnten. Neugierig geworden? Lassen Sie sich überraschen!

Mit Werken von: Hannelore Demel-Lerchster, Johannes Deutsch, Andreas Horlitz, Judith Huemer, Sebastian Köpcke & Volker Weinhold, Edgar Lissel, Rudi Molacek, Konrad Rainer, Lois Renner, Erwin Wurm, Robert Zahornicky, Fabio Zolly

Kuratiert von: Michael Braunsteiner

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Oeffnungszeiten 2020 Juli bis Oktober