Schlagwortarchiv: Stift Admont

Ora et labora et lege

Lebensrhythmus

In ununterbrochener Tradition lebt unsere Gemeinschaft seit mehr als 900 Jahren nach der Regel des hl. Benedikt von Nursia. Seine im sechsten Jahrhundert verfasste Lebensordnung hat für uns und für viele Menschen eine große Bedeutung.

Priesterweihe P. Ulrich DSC_0253Uns schenkt besonders der durch unsere Ordensregel vorgegebene Lebensrhythmus einen tiefen Halt. Der Wechsel von Gebet, Arbeit und Lesung prägen den Tagesablauf. So treffen wir uns täglich mehrmals zum gemeinsamen Gebet. Unsere Brüder bringen sich zudem in die ordentliche Seelsorge in den uns anvertrauten Pfarren ein, sind in der Studentenseelsorge in Graz tätig, unterrichten an unserem Stiftsgymnasium und begleiten Menschen durch Exerzitien und persönliche Gespräche. Dazu kommt das Bemühen um die eigene geistliche Vertiefung durch die Auseinandersetzung mit der Hl. Schrift und Werken mit theologischem und spirituellem Inhalt.

Auf diese Weise nehmen wir uns Zeit für Gott, wir verwenden Zeit füreinander und für die Menschen und gönnen uns Zeit für uns selbst. Dieser Lebensrhythmus lässt uns immer wieder das benediktinische Motto erfahren: ora et labora et lege – bete, arbeite und lies.

Sammlungsstrategie

Das Benediktinerstift Admont blickt auf eine lange Sammlungstradition im Bereich der Naturkunde und Kunstgeschichte zurück. Mit der Eröffnung des neuen Museums im Jahre 2003 hat es seine Aktivitäten im Hinblick auf die zukünftige Mitgestaltung und Reflektion zeitgenössischer Kunst ausgeweitet. Der kuratorische Schwerpunkt der Sammlung liegt auf der österreichischen Gegenwartskunst, ihrer Erweiterung in Richtung internationale Kunst und in der gezielten Förderung künstlerischer Produktion.

Aufbau der Sammlung Gegenwartskunst
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Michael Braunsteiner (Künstlerischer Leiter) und
Daniel Spoerri im Depot mit Werken von Erwin Wurm

Seit 1997 wird im Stift Admont kontinuierlich eine die historischen Bestände folgerichtig und unserer Zeit gemäß ergänzende Gegenwartskunst-Sammlung aufgebaut. Sie beinhaltet derzeit über 1500 Werke von etwa 180 vorwiegend ab Mitte des 20. Jahrhunderts in Österreich geborenen oder dort tätigen Künstlerinnen und Künstlern.
Neben konventionellen Ankäufen macht die Auftragskunst einen wesentlichen Teil der Sammlung aus. Im Zuge des „MADE FOR ADMONT“-Programmes werden kontinuierlich Künstler und Künstlerinnen in das Stift eingeladen. Diese authentischen Kunstwerke verleihen der Sammlung des Stiftes Admont ihren ganz spezifischen Charakter.

Sammlung Jenseits des Sehens
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Spezialsammlung „Jenseits des Sehens – Kunst verbindet Blinde und Sehende“

Eine Besonderheit bildet die Spezialsammlung „JENSEITS DES SEHENS – Kunst verbindet Blinde und Sehende“. Allen diesen Kunstwerken ist gemeinsam, dass ihre Wahrnehmung über die Augen nicht im Vordergrund steht. Diese speziell für die Admonter Sammlung entwickelten Kunstwerke sind gleichermaßen für Menschen mit Blindheit, Sehbeeinträchtigung und für Sehende konzipiert. Das Spektrum der bisher geschaffenen Werke reicht von einfachen skulpturalen über hochkomplexe multimediale Werke bis zu kombinatorischen Foto/Braille-Arbeiten, die sich nur über einen Dialog zwischen blinden und sehenden Menschen erschließen.

Sammlung gotischer und barocker Madonnen
Eine jüngere Erwerbung: Maria mit Kind von Jakob Kaschauer (Umkreis)
Eine jüngere Erwerbung: Maria mit Kind
von Jakob Kaschauer (Umkreis)

Der Erwerb von historischen Kunstwerken wird erwogen, wenn diese in einen authentischen Zusammenhang mit dem Stift Admont stehen.  Seit 2010 befindet sich  eine Sammlung gotischer und barocker Madonnen im Aufbau. 2017 wird in einem eigenen Raum die „Sammlung Mayer“ dauerhaft präsentiert. Sie besteht aus über 70 Werken mittelalterlicher Kunst.

Immer wieder sind einzelne Kunstwerke oder Teile der Sammlungen in nationalen und internationalen Ausstellungen vertreten.

Feuer & Flamme – Der Stiftsbrand 1865

Plötzlich erscholl der Schreckensruf: „Das Stift brennt!“

Schiffer 1840 KleinDer 27. April 1865, ein Donnerstag, begann als froher Frühlingstag und endete für Admont, sowohl für den Markt als auch für das Benediktinerstift, als der wahrscheinlich katastrophalste Tag ihrer Geschichte. Stiftsarchivar P. Jakob Wichner bezeichnet diesen Tag als einen der unheilvollsten in der Geschichte der Abtei, denn dieses Unglück überbot alle bisher über Admont hereingebrochenen Drangsale an Graus und Schrecken.

Das Stiftsarchiv Admont verwahrt in seinen Beständen sowohl Augenzeugen- als auch Zeitzeugenberichte. Die wohl beeindruckenste Schilderung der Ereignisse stammt aus der Feder des P. Blitmund Tschurtschenthaler (1825-1893). Demnach brach das Feuer gegen 17 Uhr im Haus vulgo Oberlederer aus. Ein Anwesen, das relativ zentral, in der Mitte des Marktes Admont lag.

Was war die Brandursache? P. Jakob Wichner gibt als Ursache Brandstiftung beim Oberlederer an. Der Täter soll dies sogar vor seinem Tod gestanden haben.

Vom föhnigen Nordwestwind angetrieben breitete sich das Feuer rasch auf die Nachbarhäuser im Markt aus. Doch lassen wir den Augenzeugen P. Blitmund sprechen:

Stiftsbrand1In kurzer Zeit standen beide Häuserreihen von der Mitte des Marktes an bis zur Stiftskirche und auch die alte Amanduskirche in ein Feuermeer gehüllt. […] Als ich vom Thurme weg wieder in mein Zimmer gehen wollte, begegnete mir ganz consterniert der Herr Prälat Carlmann, der gerade von der Kanzlei in die Prälatur ging, und sagte mir: Das Feuer sei schon im Begriffe, in die Prälatur einzudringen. […] Als ich in den ersten Stiftshof kam, begegneten mir schon eine Menge Flüchtlinge aus dem Markte mit Sack und Pack, um im Stifte eine Zuflucht zu finden, da man glaubte, das Stift, als mit Ziegeln gedeckt, werde vom Feuer verschont bleiben; Auch ein Kranker wurde auf seinem Bette liegend in das Stift getragen. Brennende Schindeln wurden nach allen Richtungen vom heftigen Wind durch die Lüfte getragen und fielen rechts und links vor mir im Stiftshofe nieder. Mittlerweile hat der starke Funkenflug aus dem Markt her kommend auch die Dachung der Stiftskirche erfasst, und dies kaum eine Stunde nach dem Ausbruch des Brandes. […] Plötzlich erscholl der Schreckensruf: „Das Stift brennt.“

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Diesem denkwürdigen Ereignis ist die diesjährige Sonderausstellung im Museum des Benediktinerstiftes Admont gewidmet.

Anhand von verschiedenen Exponaten, wie Bildern, Bauplänen, Archivalien und Gegenständen aus dem „alten Stift Admont“, wird das Klostergebäude vor dem Brand und während der Katastrophe nachgezeichnet.

Entgegen vieler (oft lang tradierter) Meinungen ist das Kloster jedoch nicht vollständig niedergebrannt. Man nutzte hingegen die Möglichkeit, durch das Abtragen vieler Bauteile einen damals als „modern“ erachteten Neubau des Stiftes anzugehen, der jedoch nicht einmal ansatzweise vollendet wurde. Das ist das Stift Admont (als Gebäude gesehen) heute.

Noch nie zur Schau gestellte Baupläne für den geplanten Wiederaufbau des Stiftes und realisierte Pläne des Stiftsbaumeisters Wilhelm Bücher vervollständigen diese spannende Sonderausstellung.

Eine Bereicherung erfährt die Ausstellung durch zum Teil historische Objekte (Pumpen, Spritzen, Wägen, etc.), die seitens der Freiwilligen Feuerwehr zur Verfügung gestellt wurden.

P. Maximilian Schiefermüller O.S.B., Stiftsarchivar

Alle Ausstellungen 2015

Die Flammen und das Naturhistorische Museum

Ausstellung 2015 – Feuer & Flamme

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„Es war um die fünfte Abendstunde, als die Glocken ertönten, um Feuer zu signalisieren. Dieses war in einem Wirtschaftsgebäude des mittleren Marktes aus einer noch unbekannten Ursache entstanden, und da Admont binnen kurzer Zeit oft von Feuerschäden heimgesucht worden war, ohne dass der Brand eine größere Ausdehnung gewonnen hätte, so hoffte man diesmal, mit vereinten Kräften des drohenden Elementes Herr werden zu können. …“.

Pater Florian Kinnast hielt seine Eindrücke knapp drei Wochen nach der großen Katastrophe vom 27. April 1865 schriftlich fest. Diese Verzögerung war weniger seiner Ergriffenheit zuzuschreiben, als der Tatsache, dass der Brand gar erst mit 2. Mai endgültig erloschen war.

Stiftsbrand2Zerstörung, soweit das Auge reichte. Standen viele der Marktbewohner vor den mehr als dürftigen Resten ihrer Existenz, so war auch das geistige Zentrum des Ortes, das Stift, extrem betroffen. Die Dächer der Türme und der Stiftskirche waren eingestürzt, die Glocken geschmolzen, Prälatur, Priorat und Gästetrakt mit Hofgerichtskanzlei durch die Flammen praktisch vernichtet. Etliche Kleriker mussten notgedrungen in ihre Heimat entsandt werden. Der Brand hatte sich laut Pater Kienast mit solcher Schnelligkeit verbreitet, dass das Stift innerhalb einer einzigen Stunde in Flammen stand. Es war damit ein Wunder, dass die größte Sehenswürdigkeit Admonts, seine Bibliothek, mit dem Wissen und der Gelehrsamkeit vieler Jahrhunderte gerettet werden konnte. Ein Wunder war dazu, dass selbst in der Kirche der Marienaltar mit seinen Holzschnitzwerken von Josef Stammel sowie dem ihn umgebenden Musselineschleier vom Feuer verschont wurde, während der Hochaltar samt dem Kirchendach verglühte.

Fischsaurier DSCF7484Kein Wunder also, dass P. Florian Kinnast mit der Feststellung Aufsehen erregte, es sei eigentlich vieles verbrannt was als unbrennbar betrachtet werden müsste und viel hätte überlebt, das eher als leicht brennbar anzusehen sei. Womit wir auch in den Bereich der Naturhistorischen Abteilung gelangen. Welche Objekte aus den so geschätzten Sammlungen des ursprünglichen Raritätenkabinettes des Abtes Gotthard Kuglmayr haben das Inferno von 1865 überlebt? Da wäre vielleicht überraschend das Wachsobst von Pater Konstantin Keller zu erwähnen, welches allerdings in Wahrheit gerade außer Haus war. Was ging im Brand unter? Wäre die Gesteinssammlung erste Wahl Ihrer Vorstellung? Die Topase und Smaragde? Oder, wie Herr Dr. Satori 1811 in seinem Buch erwähnte „ … eine Dose von prächtigem Onyx, eine von opalisierendem kärntnerischen Muschelkalk, ein Kästchen von Calzedon … “? Die versteinerten Reste eines Fischsauriers? Im Museum vorhanden waren daneben unter vielem anderen ein Samuraischwert sowie naturwissenschaftliche Instrumente, Fernrohre, Wettermessgeräte, eher als alchemistische Öfen zu bezeichnende Apparaturen, oder gar ein so bezeichnetes „Donnerhaus mit Blitzableiter“. Alles dies fiel jedoch zusammen mit dem viel bestaunten Großobjekt des Stammel‘schen Universum im Gegensatz zu etlichen eher brennbaren Gemälden, hölzernen Wappentafeln und etlichen Stickereien unerbittlich der Hitze zum Opfer.

NHM, StroblUmso beeindruckender, dass man sich im Hause nicht auf das Bedauern beschränkte sondern, zwar keineswegs frohgemut aber unverdrossen, sofort daranging die Sammlungen erneut zusammenzustellen. Schon bei der Wahl des zuständigen Verantwortlichen zeigte der damalige Abt Karlmann Hieber bewundernswerte Menschenkenntnis. Sein Augenmerk fiel auf einen blutjungen 20-jährigen Frater mit ausgesprochener Naturliebe und einem Blick für systematisches Arbeiten und das ganz in einem aufgeschlossenen, weltoffenen Sinn. Selbst heute wird die Evolutionstheorie von Charles Darwin nicht uneingeschränkt akzeptiert, für Pater Gabriel Strobl (1846-1925) war sie kein Problem. Höchstens eines das untersucht zu werden wert sei. Um 1870 war dies eine beachtenswerte und nicht unangreifbare Einstellung.

HP Naturhistorisches SchmetterlingeAnfänglich konzentrierte sich Strobl mit seiner Arbeit besonders auf die Pflanzenwelt, an deren Pflege von 70- 80.000 Blättern noch heute viele fleißig zu arbeiten haben werden. Weithin bekannt und wissenschaftlich geehrt wurde Pater Gabriel jedoch, als er sich zunehmend der Insektenwelt zuwandte. Mit dem Erfolg, dass das Museum in Admont heute mehr als 250.000 Insekten besitzt, darunter über 900 Erstbestimmungen und besonders im Hinblick auf die Dipteren, den Zweiflüglern, Wertschätzung der wissenschaftlichen Welt gewonnen hat. Daneben fand der vom Forschergeist beseelte Pater Zeit sich für Mineralien und Gesteine zu erwärmen und durch eigene Sammeltätigkeit und zusätzliche Bittgesuche immerhin an die 6000 Belegexemplare zusammenzustellen. Angeführt muss zusätzlich werden, dass er Naturgeschichte in Melk, in Seitenstetten und in Admont unterrichtete. In Admont schließlich leitete er dazu das hier befindliche Gymnasium. Dass der Benediktiner daneben einige beachtenswerte Klettertouren in unseren Bergen unternahm unterstreicht die Tatkraft und das Interesse eines außergewöhnlichen Menschen.

HP Die Flammen und das Naturhistorische Museum (3)

Wer weiß ob sein Wirken ohne den Schrecken des katastrophalen Brandes derart zur Geltung gekommen wäre. Selbst im Unglück liegt immer noch ein Rest von Hoffnung auf ein erfolgreiches Wirken mit einer ehrenvollen Zukunft.

Kustos: Karl-Heinz Krisch

Alle Ausstellungen 2015

Benützung Archiv und Bibliothek

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Donnerstag, 09.00 – 12.00 Uhr und 13.00 – 16.30 Uhr (nach Voranmeldung)

Kontakt:

Stiftsarchivar und -bibliothekar:
MMag. P. Maximilian Schiefermüller OSB (Archivbestände, allgemeine Anfragen)
archiv@stiftadmont.at
Tel.: +43 (0)3613/2312-602

Bibliothekarin:
Mag. Dr. Karin Schamberger M.A. (LIS) (Bibliotheksbestände, Handschriften, Frühdrucke)
bibliothek@stiftadmont.at
Tel.: +43 (0)3613/2312-603