Schlagwortarchiv: Restaurierung

Matri Mitram

Bodo Hell/Norbert Trummer:

MATRI MITRAM Engelsgespräche/Bildersturm

eine Publikation anlässlich der Restaurierung der Pfarr- und Wallfahrtskirche Frauenberg bei Admont 2013/14

Zustandekommen und Kurzcharakteristik der Neuerscheinung

HP MATRI MITRAM_01Das Stift Admont (allen voran P. Subprior Winfried Schwab) hat die Gelegenheit der Restaurierung der Pfarr- und Wallfahrtskirche Frauenberg bei Admont benützt, ein künstlerisches Dokumentationsprojekt zur Neufassung dieses Baujuwels anzuregen und einen Zeichner (Norbert Trummer) und einen Textautor (Bodo Hell) damit zu beauftragen, zumal beide schon 2008 anlässlich der Restaurierung der Admonter Stiftsbibliothek eine exemplarische Publikation verfasst haben (Admont Abscondita, Denkbilder aus der barocken Klosterbibliothek, Verlag Bibliothek der Provinz); so haben sie sich diesmal im Laufe von 1 1/2 Jahren mehrere Wochen verteilt auf dem Frauenberg aufgehalten; Norbert Trummer hat vor Ort unbeirrt von den klimatischen Verhältnissen und vom Restauriergeschehen überraschende Details gezeichnet und Bodo Hell hat eigene und fremde Erklärungen zum Bau und zu den Bildern von mehreren Seiten eingeholt und notiert; durch die Baustellensituation konnten beide auf den Gerüsten den Kunstwerken aus dem späten 17 Jhdt. (Malereien und Stuck) in einer Weise nahekommen, wie das sonst nicht möglich ist.

HP MATRI MITRAM_03Jetzt ist das Buch unter dem aufs erste kryptischen Titel: MATRI MITRAM Engelsgespräche/Bildersturm in der Bibliothek der Provinz (Weitra) erschienen (‚der Mutter gebührt die AbtHaube‘, wie es lateinisch auf dem Stiftungsbild des Abtes Adalbert ins Bild geschrieben steht); das ansprechend gestaltete Buch dokumentiert einerseits die mittlerweile abgeschlossene Restaurierarbeit (die erste gründliche seit den 50er-Jahren), zeigt aber andererseits auch gewisse Inhalte und Details der vorhandenen Kunstwerke neu, stellt ungewöhnliche Fragen an Kunstgeschichte und Theologie und geht ikonografisch in die Tiefe; dennoch bleibt das Werk handlich und kann auch als erweiterter Kirchenführer gelesen werden, die vorangestellten Engelsgespräche lassen mittels eines literarischen Tricks die 24 Stuckengel am Gesims zu Wort kommen und sich über die alten und neuen Ereignisse (auch Diebstahl und Gräberöffnung) unterhalten, bisweilen kommt in diesen Erläuterungen sogar Kurzweil auf.

Verlag Bibliothek der Provinz 2014, 104 Seiten, € 20.-

Erhältlich im Museumsshop des Stiftes Admont, im Klosterladen am Frauenberg sowie auf Bestellung.

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Generalrestaurierung Stiftsbibliothek

Ein Highlight der vergangenen 10 Jahre

Bibliothek Restaurierung GerüstEin Jahrhundert-Projekt wurde erfolgreich abgeschlossen. Seit der Fertigstellung des Bibliothekssaales im Jahr 1776 wurden noch niemals vergleichbare Arbeiten durchgeführt: In drei großen Arbeitsphasen während der Jahre 2004 bis 2008 wurden alle Bestände aus Stein und Metall, die Deckenfresken, der gesamte Skulpturenschmuck sowie sämtliche Bestandteile aus Holz restauriert. Der gesamte Buch-Bestand von etwa 70.000 Stück wurde gereinigt und auf seine Schäden hin untersucht. Über 5.000 Bücher wurden restauriert. Während dieser Restaurierungsphase blieb die Stiftsbibliothek Admont für die Besucher zugänglich.

Bibliothek Restaurierung Bücher1Die Restaurierungs-Arbeiten waren dringend notwendig, da Teile der baulichen Substanz sowie ein beträchtlicher Teil der Bücher in ihrem weiteren Bestand gefährdet war. Das Jahrhundert-Projekt der Generalrestaurierung der Stiftsbibliothek Admont stand unter Aufsicht des Bundesdenkmalamtes.

Das architektonische und kunstgeschichtliche Juwel wurde somit für weitere Generationen gesichert. Seit März 2008 erstrahlt die größte Klosterbibliothek der Welt prachtvoll im alten Glanz.

Fotogalerie Bibliotheksrestaurierung 2004-2008:
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Bauabteilung

HP Lambert DSCF7506Im Jahr 1992 hat Baumeister Dipl.-Ing. Lambert Gahbauer die Leitung der Bauabteilung übernommen. Es handelt sich bei der stiftischen Bauabteilung um einen nicht auf Gewinn ausgerichteten Betrieb, der in erster Linie für die Erhaltung und Restaurierung des Stiftes und der 27 inkorporierten Pfarreien zuständig ist. Die Leitung des Betriebes obliegt aufgrund des Arbeitsumfanges und der Komplexität einem konzessionierten Baumeister. Der Betrieb ist direkt im Stift angesiedelt, die Mitarbeiter sind fix angestellte, vorwiegend speziell geschulte Maurer, Zimmerer und Kunsttischler, die auch heute noch in traditioneller Handwerkstechnik Teile neu errichten oder ergänzen.

Seit 1995 wird wieder herkömmlich gebrannter Kalk in großen Mengen gelöscht und dieser durch Restauratoren, Maurer und Maler weiterverarbeitet. Es wird dabei immer auf ein Maximum an Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit geachtet. In den letzten 20 Jahren wurde in Zusammenarbeit mit Architekten die Bausubstanz grundlegend umgestaltet (Museum, Archive, Konvent, Stiftskeller, Gymnasium, Frauenberg), wobei speziell im Stift Admont eine klare und einheitliche Linie erkennbar ist.

Die Gegenüberstellung von Alt und Neu, von Geschichte und Gegenwart. Eine intensive und gute Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt ist dafür eine Grundvoraussetzung. Aufgabe der heutigen Bauabteilung ist es, alle Umbau- und Instandhaltungsarbeiten sowie Restaurierungen und Neubauten von der Projektentwicklung bis zur Fertigstellung abzuwickeln und zu koordinieren. Ein Teil der Arbeiten wird mit den eigenen Beschäftigten bewerkstelligt. Darüber hinausgehend werden die Gewerke ausgeschrieben und vergeben, was letztendlich der heimischen Wirtschaft zugute kommt.

Video-TIPP: Vorbildliche baubiologische Sanierung von Dveri Pax
Baubiologen besuchten Stift Admont

 

Infos unter www.baubiologie.management
Die Initiative baubiologie.management (BBM) engagiert sich im deutschen Sprachraum für die Verbreitung der Werte der Baubiologie. Unter Einbindung von Barrierefreiheit und nachhaltiger Energienutzung steht sie für eine umfassende Denkweise bei Planung und am Bau. Mit Unterstützung der MCG/Messe Graz GmbH ist die Initiative mit dem Aufbau einer Plattform für die baubiologischen Institute in DACH tätig. In Zusammenarbeit mit der Messe werden z. B. alljährlich spezielle Events auf der Häuslbauermesse in Graz veranstaltet. Unter anderem der Tag de Baubiologie.

2017 war die Sanierung des stiftischen Weingutes in Jarenina als Referenzprojekt vorbildlicher Umsetzung am Tag der Baubiologie vertreten. Mehr Infos auf: www.baubiologie.management – Menüpunkt „Tag der Baubiologie“ (Nachlese 2017)

 

Kontakt Bauabteilung Stift Admont:

Sekretariat Barbara Cermak
Tel.: +43 (0) 3613/23 12-501
barbara.cermak@stiftadmont.at

Baumeister DI Lambert Gahbauer
Tel.: +43 (0) 3613/23 12-500
lambert.gahbauer@stiftadmont.at

Josef Stammel – Vier Letzte Dinge

(1) Josef Stammel, Die vier letzten Dinge, Der Tod

St 01Der Mensch ist am Ende seines Lebens angelangt. Dargestellt ist er als alter Pilger mit Pilgerkreuz, Pilgerstab und Jakobsmuschel. Von hinten nähert sich ihm der geflügelte Knochenmann als Personifikation des Todes. In seiner erhobenen Rechten hält der schaurig dargestellte Tod das geflügelte Stundenglas als Hinweis auf die abgelaufene Lebenszeit des Menschen. Mit der Linken umklammert er als Anspielung auf den plötzlich eintretenden Tod einen spitzen Dolch. Die kleinen Engel zu Füßen des Sterbenden halten Attribute in ihren Händen. Diese Vanitas-Symbole (Seifenblase, leere Muschelschale, erloschene und gebrochene Kerze) weisen auf die Vergänglichkeit allen Seins hin. Die sogenannte „sodomitische Traube“ wiederum zerfällt bei Berührung zu Staub. Dieses Motiv lässt an die Worte denken, die am Aschermittwoch in der Kirche gesprochen werden: „Bedenk, o Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst!“

(2) Josef Stammel, Die vier letzten Dinge, Die Auferstehung (zugleich das Gericht)

St 12Vom Leichentuch bedeckt, schwebt von einem Engelchen begleitet ein Jüngling aus dem Grabe. Über seinem Haupt spannt sich ein Regenbogen. Darauf thront Christus als Auferstandener und Weltenrichter. Das individuelle Gericht hat noch kein Urteil gefällt. Der Blick des Jünglings ist auf den zu seinen Füßen kauernden Teufel gerichtet. Dieser fungiert als Ankläger, trägt einen Zwickel auf der Nase und wird von dem mächtigen Buch mit den darin verzeichneten Taten des zu Richtenden auf seinen Schultern zur Seite gedrückt. Zur Rechten gegenüber dem legendären „Admonter Bibliotheksteufelchen“ ragt der aufgeworfene Grabstein auf. Er zeigt einen Totenkopf, eine im Erlöschen begriffene Kerze, die Jahreszahl 1760 (wohl Zeitpunkt der Fertigstellung der Figurengruppe) und die Initialen ST (für Stammel).

(3) Josef Stammel, Die vier letzten Dinge, Die Hölle

St 03Je nach Richtspruch führt nun der Weg in die Hölle oder in den Himmel. Die Allegorie der Hölle besteht aus zwei bewegten monumentalen Hauptfiguren und mehreren kleineren Assistenzfiguren. Ein nackter reifer Mann, mit dem die verdammte Seele gemeint ist, reitet auf den Schultern eines Mischwesens. Es ist halb Tier, halb Mensch, halb Mann, halb Frau. Beide Figuren werden von den daraus empor schlagenden Flammen in den drachenköpfigen Höllenrachen hinab gerissen. Die Gesichtszüge der verdammten Seele sind von Zorn und Furcht verzerrt. Seine erhobene Rechte hält eine ringförmige Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt – Symbol der Ewigkeit. Seine Linke hält abwehrend den Dolch in der geballten Faust. In der Herzgegend hat sich ein Wurm verbissen.

Im unteren Bereich der Darstellung sind als mahnende Begründung für die Höllenfahrt büstenartige, jeweils als Köpfe dargestellte Allegorien angeordnet: die Eitelkeit mit Pfauenkappe und Pfauengefieder; die Trägheit als schlafendes Kind mit Schlafmütze und Nilpferd am Kopf; der Geiz mit Kappe aus Geldmünzen und einem ihm über die Schulter lugenden Teufel; die Unmäßigkeit mit Schnapsflasche und Würsten.

„Die Hölle“ zählt zu den stärksten, erzählfreudigsten, aber auch eigenwilligsten und verdichtesten Werken Stammels. Vorbilder wie etwa Albrecht Dürers Teufel im Stich „Ritter, Tod und Teufel“ (1513) oder Berninis Marmorbüste „Anima Damnata“ (1616) sind hier mit Stammels eigener Vorstellungskraft zu einer hochrangigen künstlerischen Einheit verschmolzen.

(4) Josef Stammel, Die vier letzten Dinge, Der HimmelSt 02

Die inhaltliche Krönung der „Vier letzten Dinge“ bildet die Allegorie des Himmels. Sie wird durch eine prachtvoll gewandete und geschmückte Schönheit und einige Assistenzfiguren versinnbildlicht. Als androgyne gekrönte Gottesbraut im Kleid der himmlischen Herrlichkeit wird sie mit von einem schlanken Engel in den Himmel gehoben. Ihr verklärter Blick ist über den irdischen Betrachter hinweg in eine höhere Sphäre empor gerichtet. In ihrer erhobenen Linken hält sie ein Herz als Zeichen ihres unerschütterlichen flammenden Glaubens. Über ihrem Haupt prangt im Strahlenkranz das Symbol der Heiligen Dreifaltigkeit. Ein flammender Stern und ein reich verziertes Kreuz prangen auf ihrer Brust. Unter der Krone ist das griechische TAU (Ez 9, 3-4) auf die Stirn geschrieben, das sie als Gerechte ausweist.

Wie bei Bernini fungiert hier die „Anima beata“ als Gegenstück zur „Anima damnata“ in der Hölle. Zu Füssen der Gestalt sitzen drei Engelchen auf einer Wolkenbank. Diese Allegorien der drei Tugenden (Fasten, Beten, Almosen geben) begründen die im göttlichen Gericht gefallene Entscheidung. Sie bilden die Gegenstücke zu den in der Hölle dargestellten Lastern. Im gegenteiligen positiven Sinne begegnet man wie in der Hölle auch hier wieder der ringförmigen Schlange. Als Symbol der ewigen Glückseligkeit, wird sie von dem mittig auf der Wolkenbank sitzenden Engelchen gehalten.