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Die Flammen und das Naturhistorische Museum

Ausstellung 2015 – Feuer & Flamme

Stiftsbrand Themenbild

„Es war um die fünfte Abendstunde, als die Glocken ertönten, um Feuer zu signalisieren. Dieses war in einem Wirtschaftsgebäude des mittleren Marktes aus einer noch unbekannten Ursache entstanden, und da Admont binnen kurzer Zeit oft von Feuerschäden heimgesucht worden war, ohne dass der Brand eine größere Ausdehnung gewonnen hätte, so hoffte man diesmal, mit vereinten Kräften des drohenden Elementes Herr werden zu können. …“.

Pater Florian Kinnast hielt seine Eindrücke knapp drei Wochen nach der großen Katastrophe vom 27. April 1865 schriftlich fest. Diese Verzögerung war weniger seiner Ergriffenheit zuzuschreiben, als der Tatsache, dass der Brand gar erst mit 2. Mai endgültig erloschen war.

Stiftsbrand2Zerstörung, soweit das Auge reichte. Standen viele der Marktbewohner vor den mehr als dürftigen Resten ihrer Existenz, so war auch das geistige Zentrum des Ortes, das Stift, extrem betroffen. Die Dächer der Türme und der Stiftskirche waren eingestürzt, die Glocken geschmolzen, Prälatur, Priorat und Gästetrakt mit Hofgerichtskanzlei durch die Flammen praktisch vernichtet. Etliche Kleriker mussten notgedrungen in ihre Heimat entsandt werden. Der Brand hatte sich laut Pater Kienast mit solcher Schnelligkeit verbreitet, dass das Stift innerhalb einer einzigen Stunde in Flammen stand. Es war damit ein Wunder, dass die größte Sehenswürdigkeit Admonts, seine Bibliothek, mit dem Wissen und der Gelehrsamkeit vieler Jahrhunderte gerettet werden konnte. Ein Wunder war dazu, dass selbst in der Kirche der Marienaltar mit seinen Holzschnitzwerken von Josef Stammel sowie dem ihn umgebenden Musselineschleier vom Feuer verschont wurde, während der Hochaltar samt dem Kirchendach verglühte.

Fischsaurier DSCF7484Kein Wunder also, dass P. Florian Kinnast mit der Feststellung Aufsehen erregte, es sei eigentlich vieles verbrannt was als unbrennbar betrachtet werden müsste und viel hätte überlebt, das eher als leicht brennbar anzusehen sei. Womit wir auch in den Bereich der Naturhistorischen Abteilung gelangen. Welche Objekte aus den so geschätzten Sammlungen des ursprünglichen Raritätenkabinettes des Abtes Gotthard Kuglmayr haben das Inferno von 1865 überlebt? Da wäre vielleicht überraschend das Wachsobst von Pater Konstantin Keller zu erwähnen, welches allerdings in Wahrheit gerade außer Haus war. Was ging im Brand unter? Wäre die Gesteinssammlung erste Wahl Ihrer Vorstellung? Die Topase und Smaragde? Oder, wie Herr Dr. Satori 1811 in seinem Buch erwähnte „ … eine Dose von prächtigem Onyx, eine von opalisierendem kärntnerischen Muschelkalk, ein Kästchen von Calzedon … “? Die versteinerten Reste eines Fischsauriers? Im Museum vorhanden waren daneben unter vielem anderen ein Samuraischwert sowie naturwissenschaftliche Instrumente, Fernrohre, Wettermessgeräte, eher als alchemistische Öfen zu bezeichnende Apparaturen, oder gar ein so bezeichnetes „Donnerhaus mit Blitzableiter“. Alles dies fiel jedoch zusammen mit dem viel bestaunten Großobjekt des Stammel‘schen Universum im Gegensatz zu etlichen eher brennbaren Gemälden, hölzernen Wappentafeln und etlichen Stickereien unerbittlich der Hitze zum Opfer.

NHM, StroblUmso beeindruckender, dass man sich im Hause nicht auf das Bedauern beschränkte sondern, zwar keineswegs frohgemut aber unverdrossen, sofort daranging die Sammlungen erneut zusammenzustellen. Schon bei der Wahl des zuständigen Verantwortlichen zeigte der damalige Abt Karlmann Hieber bewundernswerte Menschenkenntnis. Sein Augenmerk fiel auf einen blutjungen 20-jährigen Frater mit ausgesprochener Naturliebe und einem Blick für systematisches Arbeiten und das ganz in einem aufgeschlossenen, weltoffenen Sinn. Selbst heute wird die Evolutionstheorie von Charles Darwin nicht uneingeschränkt akzeptiert, für Pater Gabriel Strobl (1846-1925) war sie kein Problem. Höchstens eines das untersucht zu werden wert sei. Um 1870 war dies eine beachtenswerte und nicht unangreifbare Einstellung.

HP Naturhistorisches SchmetterlingeAnfänglich konzentrierte sich Strobl mit seiner Arbeit besonders auf die Pflanzenwelt, an deren Pflege von 70- 80.000 Blättern noch heute viele fleißig zu arbeiten haben werden. Weithin bekannt und wissenschaftlich geehrt wurde Pater Gabriel jedoch, als er sich zunehmend der Insektenwelt zuwandte. Mit dem Erfolg, dass das Museum in Admont heute mehr als 250.000 Insekten besitzt, darunter über 900 Erstbestimmungen und besonders im Hinblick auf die Dipteren, den Zweiflüglern, Wertschätzung der wissenschaftlichen Welt gewonnen hat. Daneben fand der vom Forschergeist beseelte Pater Zeit sich für Mineralien und Gesteine zu erwärmen und durch eigene Sammeltätigkeit und zusätzliche Bittgesuche immerhin an die 6000 Belegexemplare zusammenzustellen. Angeführt muss zusätzlich werden, dass er Naturgeschichte in Melk, in Seitenstetten und in Admont unterrichtete. In Admont schließlich leitete er dazu das hier befindliche Gymnasium. Dass der Benediktiner daneben einige beachtenswerte Klettertouren in unseren Bergen unternahm unterstreicht die Tatkraft und das Interesse eines außergewöhnlichen Menschen.

HP Die Flammen und das Naturhistorische Museum (3)

Wer weiß ob sein Wirken ohne den Schrecken des katastrophalen Brandes derart zur Geltung gekommen wäre. Selbst im Unglück liegt immer noch ein Rest von Hoffnung auf ein erfolgreiches Wirken mit einer ehrenvollen Zukunft.

Kustos: Karl-Heinz Krisch

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Wachsfrüchtesammlung

Wachsfrüchtesammlung von P. Constantin Keller (1778–1864)

Constantin Keller wurde 1778 in Graz geboren. Er trat 1796 in das Benediktinerstift Admont ein und nahm den Ordensnamen Thaddäus an. 1801 erhielt er die Priesterweihe. 1810 übernahm er die Pfarrstelle in Mautern im Liesingtal, 1824 wurde er Pfarrvikar in Gröbming. Dort lernte er Erzherzog Johann von Österreich kennen.  Um die Förderung der Landwirtschaft in der Steiermark bemüht, hat sich Keller vor allem für den Obstbau im steirischen Oberland eingesetzt. Er hielt zahlreiche Vorträge.  In Mautern und Gröbming legte er Obstbaumschulen an.  Die dort veredelten Bäume verteilte er kostenlos an die regionalen Bauern in der Gegend. Von 1819 bis 1824 war er Vorstand der landwirtschaftlichen Filialen der von Erzherzog Johann gegründeten k.k. Steiermärkischen Landwirtschaftsgesellschaft in Trofaiach und ab 1824 in Gröbming.

AepfelKeller beschäftigte sich intensiv mit der Obstsortenkunde. Zwischen 1815 und 1840 fertigte er naturgetreue Wachsmodelle von Obstsorten an. Bei den Modellen handelte es sich um Hohlkörper aus bossiertem Wachs. Beim Bossierverfahren wurde von den Originalfrüchten zunächst je ein Gipsabdruck der Ober- und Unterseite hergestellt, der dann dünnwandig mit Wachs ausgegossen wurde. Die Wachsschicht wurde von innen verstärkt, so dass ein stabiles Modell des Originals entstand. Dieses wurde farbig gefasst und mit echten Blüten und Stielen ergänzt. Selbst Insekteneinstiche und Fäulnisflecken wurden mit eingearbeitet. Durch diese täuschend echten Wachsfrüchte konnte das Vorkommen vieler alter Obstsorten der Region belegt werden und diese werden heute – oft in mühsamer Kleinarbeit – wieder nachgezüchtet.

Neben den Sorten seiner eigenen Baumschulen formte er auch die Sorten der zum Joanneum gehörenden Obstbaumschule in Grätz (Graz) ab. Die Modelle verwendete er, um die Kunden der Baumschulen besser beraten und ihnen die Früchte der verschiedenen Obstsorten zeigen zu können. 243 Modelle sind noch heute erhalten. Eine Serie von Obstmodellen, die Keller für das Joanneum herstellte, ist heute verschollen.

Geschichte des Naturhistorischen Museums

Schon seit der Barock-Zeit hat es im Stift Admont ein damals so genanntes „Musaeum“ gegeben. Über dessen Bestände ist nichts Konkretes bekannt. Dem damaligen Zeitgeist entsprechend dürften neben Naturobjekten wohl allerlei Raritäten und Kuriositäten darin beherbergt gewesen sein.

Im frühen 19. Jahrhundert erwarb Abt Gotthard Kuglmayr (reg. 1788–1818) verschiedene Sammlungen: so eine Mineralien-Kollektion, eine Xylothek (forstbotanische Sammlung in Buchform) sowie verschiedene Herbar-Sammlungen. Abt Gotthard gründete im Jahr 1809 mit diesen Beständen und einigen ethnologischen und archäologischen Exponaten das „Naturalien-Cabinet“.

Daneben befand sich in diesem „Cabinet“ auch ein physikalisches und chemisches Laboratorium zu Lehr- und Lernzwecken sowie das „Universum“ des Barockbildhauers Josef Stammel (1695–1765). Bei dieser handelt es sich um eine etwa vier Meter hohe Skulpturengruppe, die in ihrer Vielfältigkeit an Figuren und Reliefs ein verdichtetes Abbild des menschlichen Universums bot.

Stiftsbrand

Der große Stiftsbrand im Jahre 1865 hat das „Naturalien-Cabinet“ vernichtet. Seine damaligen Bestände mitsamt dem Stammel’schen „Universum“ fielen ihm zum Opfer. Ein Jahr nach dem Brand trat der damals 20jährige Gabriel Strobl in das Kloster Admont ein. Er wurde von Abt Karlmann Hieber (reg. 1861–1868) mit dem Wiederaufbau des Naturhistorischen Museum betraut.

In 44jähriger Arbeit – bis zu seinem Schlaganfall im Jahr 1910 – hat Pater Strobl das Museum neu errichtet. In seinen ersten 12 Schaffensjahren widmete er sich hauptsächlich der Botanik, die folgenden 32 Jahre gab er sich ganz der Insektenforschung (Entomologie) hin.

Vor allem durch eigenes Sammeln, aber auch durch weltweiten Tausch, Kauf und Geschenke von Gönnern konnte Pater Gabriel Strobl die außerordentlichen Sammlungs-Bestände erreichen. Durch den enormen Arbeitsfleiß von P. Strobl war die Ausstattung des Museums im Jahr 1906 praktisch vollendet und konnte für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

In der NS-Zeit und während der folgenden Kriegsjahre bis ins Jahr 1949, machte sich der damalige Kustos der naturhistorischen Sammlungen, Hans Kiefer, für die Betreuung der Bestände verdient. Vor allem bemühte sich Kiefer um die Rückführung der Kollektionen ins Stift Admont, die während der Kriegsjahre ins Joanneum nach Graz verlegt wurden.

Günter Morge, der nachfolgende Kustos, setzte die Bemühungen der Rückführungen der Sammlungs-Bestände fort und konnte zwischen 1966 und 1972 fast alle bislang in Graz verbliebenen Sammlungen nach Admont zurückführen.

Im Zuge des Umbaus und der Neugestaltung der Museumslandschaft im Stift Admont wurden auch die Räumlichkeiten des Naturhistorischen Museums renoviert und am 2. Mai 2004 feierlich eröffnet.

Naturhistorisches Museum

NHM, StroblDas Naturhistorische Museum wurde nach dem verheerenden Stiftsbrand im Jahr 1865 vom erst 20-jährigen Admonter Benediktiner Pater Gabriel Strobl in den Jahren 1866 bis 1906 neu errichtet. In seiner wissenschaftlichen Tätigkeit baute Strobl eine riesige Insektensammlung mit rund 252.000 Exemplaren auf. Allein der Bestand an Zweiflüglern (Dipteren) zählt mit mehr als 50.000 Objekten zu den bedeutenden Kollektionen Europas. Durch eigenes Sammeln, Tausch, Ankauf und in Form von Schenkungen erwarb Pater Gabriel Strobl in seiner 44jährigen Tätigkeit jene Sammlungs-Bestände, die heute im zum Teil neu konzipierten Naturhistorischen Museum zu bestaunen sind.

Naturhistorisches MuseumIm Zuge des Umbaus und der Neugestaltung der Museumslandschaft im Stift Admont wurden auch die Räumlichkeiten des Naturhistorischen Museums renoviert und am 2. Mai 2004 feierlich eröffnet. Zu Beginn tritt man in die Welt der Reptilien und Amphibien: ein über zwei Meter langer Mississippi-Alligator, Trocken- und Weingeist-Präparate von Schlangen, Eidechsen, Schildkröten. Ein „Vitrinen-Band“ informiert über die geschichtliche Entwicklung des Naturhistorischen Museums. Der erste Seiten-Saal ist dem wissenschaftlichen und künstlerischem Lebenswerk von Pater Gabriel Strobl gewidmet. An den Wänden ist eine Schausammlung von verschiedenen Insekten-Gruppen positioniert.

Insektensammlung

NHM_Naturhistorisches Museum InsektenraumVon besonderer Bedeutung ist die Insektensammlung: insbesondere die Sammlung der Zweiflügler, die Pater Gabriel Strobl vor mehr als 100 Jahren zusammengetragen hat. Die Forschung befasst sich noch heute mit dieser Sammlung. Kontakte mit internationalen Instituten bestehen und anerkannte Fachleute bemühen sich um weiterführende Forschung und detaillierte Typisierungen. Wissenschaftliche Werke und neu verfasste Bücher, insbesonders von Milan Chvála, belegen den Wert der eindrucksvollen Sammlung in der Fachwelt.

Wachsobst-Früchte von P. Constantin Keller

NHM_Vitrine mit WachsobstDer zweite Seiten-Saal präsentiert in einer eindrucksvollen Installation alle 243 Exponate an Wachsobst-Früchten von Pater Constantin Keller (1778–1864). Der Raum erhält durch eine geschwungene Vitrinen-Konstruktion selbst die Form einer Frucht. Er beherbergt die kunstvollen Unikate, die P. Constantin nach selbst gezüchteten Originalen in Wachs nachgeformt hat. Die Wachsfrüchte sind von höchster Qualität und entsprechen nahezu perfekt ihren natürlichen Vorbildern. Darunter befinden sich auch Obstsorten, die heute zum großen Teil aus den bestehenden Sortimenten verschwunden sind. Lesen Sie mehr über die Wachsobstsammlung von P. Constantin Keller.

Leidenschaft der Forscher

NP RaumEin Kooperationsprojekt des Nationalpark Gesäuse und des Stiftes Admont ist im dritten Seiten-Saal zu erleben. Die Dauerausstellung versucht über die Leidenschaft der Forscher die Emotion der Besucher für die Natur und ganz speziell den nahen Nationalpark Gesäuse zu wecken.

Im zweiten Gang-Saal: Lebewesen aus den verschiedenen Naturreichen, die die unterschiedlichen Elemente „Erde, Luft und Wasser“ bewohnen: Europäische Schmetterlinge, getrocknete und gepresste Sporenpflanzen in historischen Schränken entlang der rechten Seite spiegeln das harmonische Miteinander von Tier und Pflanze wider. Den dritten Lebensbereich „Wasser“ repräsentieren in diesem Saal eine Kollektion von Konchylien (Weichtier-Schalen) und Fisch-Präparate.

Das sogenannte „Löwenzimmer“ wurde im historischen Ambiente belassen und trägt seinen Namen aufgrund eines großen ostafrikanischen Löwen-Präparates, das Pater Gabriel Strobl vom berühmten Afrika-Forscher Emil Holub erworben hat. In den historischen Schaukästen befinden sich wertvolle Exponate vor allem exotischer Säugetiere und Vögel.

Südost-Pavillon

Naturhistorisches Museum_Stift Admont_PedaDen Schluss dieser „Natur-Wanderung“ bildet der sogenannte „Südost-Pavillon“ mit herrlicher Aussicht in das Nationalpark-Gebiet. Dieser ehemals einzige Raum des Naturhistorischen Museums bietet neben einer großen Sammlung von Gesteinen und Mineralien eine bunte Schau von europäischen und heimischen Säugetieren und Vögeln.

Mit P. Gabriel Strobl (1846-1925), der sich als Kustos des Naturhistorischen Museums in seinen ersten 12 Schaffensjahren hauptsächlich der Botanik widmete und in den nächsten 32 Jahren auf dem Gebiet der Insektenkunde (Entomologie) arbeitete, erreichte das Stift Admont große Bedeutung in der naturwissenschaftlichen Forschung. Die Klöster waren insgesamt oft ein Ort des Wissens und der Ausbildung. Das Benediktinerstift Admont ist bemüht, dieses Erbe im Rahmen seiner Möglichkeiten weiter zu führen und unsere Umwelt als Teil der in unsere Verantwortung übergebenen Schöpfung zu bewahren.

Alle Museumsbereiche sind barrierefrei zugänglich!

Kustos: Karl-Heinz Krisch

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