Schlagwortarchiv: Benediktinerstift Admont

Reich im Tun

Das Stift Admont hat viel zu bieten. In der Abtei Admont leben und wirken Benediktiner. Sie sind keine Bettelmönche. Sie beten und arbeiten in der Pfarrseelsorge, in der Schule und in den stiftischen Einrichtungen. Sie leben nach der Regel des Heiligen Benedikt. Jeder Benediktiner legt ein auf diese Regel zurückgehendes traditionelles Mönchsgelübde ab. Gelobt werden: Oboedientia (Gehorsam), Stabilitas loci (Ortsgebundenheit, die das Mitglied an ein bestimmtes Kloster bindet) und Conversatio morum suorum (klösterlichen Lebenswandel), der ehelose Keuschheit und freiwillige Armut mit einschließt.

Das Stift Admont ist auch für seine wirtschaftliche Tüchtigkeit bekannt. In der Abtei Admont arbeiten und wirken viele Laien. Sie leiten die Wirtschaftsbetriebe. Gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bemühen sie sich Jahr für Jahr all die Geldmittel zu erwirtschaften, um die vielen Aufgaben des Stiftes auch finanzieren zu können.

Wie steht500 Euro Ausschnitt2 es im Stift Admont mit dem Besitz, mit dem Reichtum?

Die Admonter Benediktiner verwalten heute zusammen mit ihren weltlichen Führungskräften das seit der Klostergründung im Jahre 1074 vorhandene, von Generation zu Generation weiter gegebene und auch im Laufe der Zeit neu geschaffene Eigentum des Stiftes. Dabei handelt es sich nicht um persönlichen Besitz der Admonter Mönche. Es ist Besitz und Eigentum der Institution zum Nutzen der Menschen im Sinne des Gemeinwesens und der Gemeinnützigkeit. Das Eigentum und Kapital hat somit im Sinne der christlichen Soziallehre eine humane Funktion zu erfüllen. Eigentum und Kapital ist somit Mittel zum Leben und ist nicht Selbstzweck. Beides wird mit großer Verantwortung verwaltet und sinnvoll genutzt.

Das Stift Admont hat eine lange Tradition als Kulturträger und Kulturstifter. Die Entwicklung der Region ist eine ernste und wichtige Aufgabe, auch heute noch. Dank der weltberühmten, jüngst restaurierten Bibliothek und dem neuen Großmuseum, dem Gymnasium als wichtige Bildungseinrichtung, nicht zuletzt wegen der verschiedenen Stifts-Betriebe mit ihren über 500 Arbeitsplätzen fungiert das Stift geradezu als Regionalentwicklungs-Agentur. Davon können viele Menschen partizipieren. Sie alle haben indirekt etwas von diesem Vermögen. Nur so können Arbeitsplätze gesichert, die vielen Aufgaben des Stiftes finanziert und auch in Zukunft erfüllt werden.

Zu diesen Aufgaben zählen auch soziale und caritative. Bitten und Anfragen aus dem In- und Ausland werden immer wieder an das Stift heran getragen. So wird auch echtes Kapital zu humanen Zwecken eingesetzt. Materielle und finanzielle Hilfe wird möglich. Der Reichtum kann auch auf diese Weise seine positiven Seiten entfalten. Güter müssen dem Leben dienen, nicht das Leben den Gütern.

Das Vermögen unbedacht einzusetzen, hieße, sich alle seiner dem Gemeinwohl nützlichen Möglichkeiten langfristig zu berauben. Spontanes Verteilen etwa würde langfristig niemandem nutzen. Sich des Vermögens nach sozialen, menschlichen, christlichen und kulturellen Kriterien zu bedienen, es ethisch nachhaltig einzusetzen, das hingegen ist legitim und fruchtbringend! Das nützt dem Gemeinwohl. Die wirtschaftliche Stärke des Stiftes Admont ist so auch seit Jahrhunderten die Basis dafür, seine Aufgaben selbständig zu erfüllen: ohne öffentliche Zuschüsse und ohne Mittel aus der Kirchensteuer. Das Stift Admont kann sich und seine Aufgaben selber erhalten.

Und der Reichtum an Kulturgütern? Würde das Stift sie verschenken, gäbe es zugleich auch die große Verantwortung dafür ab. Ja, es würde sich Geld für deren Erhaltung ersparen. Allerdings käme das einer geistig-kulturellen Verarmung gleich. Das Stift würde sich der eigenen Identität berauben. Ebenso ginge der Region, dem Land Steiermark und dem Staat Österreich wichtiges Kulturgut verloren. Der Tourismus hätte große Einbußen.

Josef Stammel – Vier Letzte Dinge

(1) Josef Stammel, Die vier letzten Dinge, Der Tod

St 01Der Mensch ist am Ende seines Lebens angelangt. Dargestellt ist er als alter Pilger mit Pilgerkreuz, Pilgerstab und Jakobsmuschel. Von hinten nähert sich ihm der geflügelte Knochenmann als Personifikation des Todes. In seiner erhobenen Rechten hält der schaurig dargestellte Tod das geflügelte Stundenglas als Hinweis auf die abgelaufene Lebenszeit des Menschen. Mit der Linken umklammert er als Anspielung auf den plötzlich eintretenden Tod einen spitzen Dolch. Die kleinen Engel zu Füßen des Sterbenden halten Attribute in ihren Händen. Diese Vanitas-Symbole (Seifenblase, leere Muschelschale, erloschene und gebrochene Kerze) weisen auf die Vergänglichkeit allen Seins hin. Die sogenannte „sodomitische Traube“ wiederum zerfällt bei Berührung zu Staub. Dieses Motiv lässt an die Worte denken, die am Aschermittwoch in der Kirche gesprochen werden: „Bedenk, o Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst!“

(2) Josef Stammel, Die vier letzten Dinge, Die Auferstehung (zugleich das Gericht)

St 12Vom Leichentuch bedeckt, schwebt von einem Engelchen begleitet ein Jüngling aus dem Grabe. Über seinem Haupt spannt sich ein Regenbogen. Darauf thront Christus als Auferstandener und Weltenrichter. Das individuelle Gericht hat noch kein Urteil gefällt. Der Blick des Jünglings ist auf den zu seinen Füßen kauernden Teufel gerichtet. Dieser fungiert als Ankläger, trägt einen Zwickel auf der Nase und wird von dem mächtigen Buch mit den darin verzeichneten Taten des zu Richtenden auf seinen Schultern zur Seite gedrückt. Zur Rechten gegenüber dem legendären „Admonter Bibliotheksteufelchen“ ragt der aufgeworfene Grabstein auf. Er zeigt einen Totenkopf, eine im Erlöschen begriffene Kerze, die Jahreszahl 1760 (wohl Zeitpunkt der Fertigstellung der Figurengruppe) und die Initialen ST (für Stammel).

(3) Josef Stammel, Die vier letzten Dinge, Die Hölle

St 03Je nach Richtspruch führt nun der Weg in die Hölle oder in den Himmel. Die Allegorie der Hölle besteht aus zwei bewegten monumentalen Hauptfiguren und mehreren kleineren Assistenzfiguren. Ein nackter reifer Mann, mit dem die verdammte Seele gemeint ist, reitet auf den Schultern eines Mischwesens. Es ist halb Tier, halb Mensch, halb Mann, halb Frau. Beide Figuren werden von den daraus empor schlagenden Flammen in den drachenköpfigen Höllenrachen hinab gerissen. Die Gesichtszüge der verdammten Seele sind von Zorn und Furcht verzerrt. Seine erhobene Rechte hält eine ringförmige Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt – Symbol der Ewigkeit. Seine Linke hält abwehrend den Dolch in der geballten Faust. In der Herzgegend hat sich ein Wurm verbissen.

Im unteren Bereich der Darstellung sind als mahnende Begründung für die Höllenfahrt büstenartige, jeweils als Köpfe dargestellte Allegorien angeordnet: die Eitelkeit mit Pfauenkappe und Pfauengefieder; die Trägheit als schlafendes Kind mit Schlafmütze und Nilpferd am Kopf; der Geiz mit Kappe aus Geldmünzen und einem ihm über die Schulter lugenden Teufel; die Unmäßigkeit mit Schnapsflasche und Würsten.

„Die Hölle“ zählt zu den stärksten, erzählfreudigsten, aber auch eigenwilligsten und verdichtesten Werken Stammels. Vorbilder wie etwa Albrecht Dürers Teufel im Stich „Ritter, Tod und Teufel“ (1513) oder Berninis Marmorbüste „Anima Damnata“ (1616) sind hier mit Stammels eigener Vorstellungskraft zu einer hochrangigen künstlerischen Einheit verschmolzen.

(4) Josef Stammel, Die vier letzten Dinge, Der HimmelSt 02

Die inhaltliche Krönung der „Vier letzten Dinge“ bildet die Allegorie des Himmels. Sie wird durch eine prachtvoll gewandete und geschmückte Schönheit und einige Assistenzfiguren versinnbildlicht. Als androgyne gekrönte Gottesbraut im Kleid der himmlischen Herrlichkeit wird sie mit von einem schlanken Engel in den Himmel gehoben. Ihr verklärter Blick ist über den irdischen Betrachter hinweg in eine höhere Sphäre empor gerichtet. In ihrer erhobenen Linken hält sie ein Herz als Zeichen ihres unerschütterlichen flammenden Glaubens. Über ihrem Haupt prangt im Strahlenkranz das Symbol der Heiligen Dreifaltigkeit. Ein flammender Stern und ein reich verziertes Kreuz prangen auf ihrer Brust. Unter der Krone ist das griechische TAU (Ez 9, 3-4) auf die Stirn geschrieben, das sie als Gerechte ausweist.

Wie bei Bernini fungiert hier die „Anima beata“ als Gegenstück zur „Anima damnata“ in der Hölle. Zu Füssen der Gestalt sitzen drei Engelchen auf einer Wolkenbank. Diese Allegorien der drei Tugenden (Fasten, Beten, Almosen geben) begründen die im göttlichen Gericht gefallene Entscheidung. Sie bilden die Gegenstücke zu den in der Hölle dargestellten Lastern. Im gegenteiligen positiven Sinne begegnet man wie in der Hölle auch hier wieder der ringförmigen Schlange. Als Symbol der ewigen Glückseligkeit, wird sie von dem mittig auf der Wolkenbank sitzenden Engelchen gehalten.

Bibliothek

Größte Klosterbibliothek der Welt

Die Admonter Stiftsbibliothek ist eines der großen Gesamtkunstwerke des europäischen Spätbarocks. In ihr sind verschiedene Kunstgattungen (Architektur, Fresken, Skulpturen, Schriften & Druckwerke) zu einer Einheit verschmolzen. Sie stellt einen über Jahrhunderte hinweg reichenden Wissensspeicher dar.

Größter klösterlicher Bibliothekssaal der Welt als beliebtes Ausflugsziel
Bibliothek_Stift Admont

 

Der mit einem Kuppelfresko im Jahre 1776 vollendete, spätbarocke Bibliothekssaal wurde von Abt Matthäus Offner (Regierungszeit 1751-1779) in Auftrag gegeben. Seit etwa 1764 geplant und in den Folgejahren gebaut wurde sie vom österreichischen Barockbaumeister Josef Hueber (1715-1787). Hueber war den Ideen der Aufklärung verpflichtet: „Wie den Verstand soll auch den Raum Licht erfüllen.“ Der gewaltige, in drei Teile gegliederte Raum ist der größte klösterliche Bibliothekssaal der Welt. Aufklärerischen Geist atmen auch die sieben Deckenfresken, die der über 80-jährige Bartolomeo Altomonte (1694-1783) in den Sommermonaten der Jahre 1775 und 1776 schuf. Sie zeigen die Stufen der menschlichen Erkenntnis vom Denken und Sprechen über die Wissenschaften bis zur göttlichen Offenbarung in der Mittelkuppel.

In den Bücherregalen unter dieser Kuppel finden sich Ausgaben der Bibel und der Kirchenväter, im nördlichen Seitensaal die theologische Literatur, im südlichen Saal alle übrigen Fachgebiete.

Die Stiftsbibliothek Skulpturen

Stiftsbildhauer Josef Stammel (1695-1765) hat die umfangreichen, in Lindenholz geschnitzten bildhauerischen Kunstwerke des Prunksaales geschaffen. Besonders beeindruckend sind die ‚Vier letzten Dinge‚, eine Gruppe von vier überlebensgroßen Darstellungen von Tod,  Gericht, Himmel und Hölle. Sie sind allerdings früher als die Bibliothek entstanden und stehen im Kontrast zum aufgeklärten Konzept des Architekten. Mehr zu den „Vier letzten Dingen„. Mehr zu Josef Stammels „Universum„.

Der Bibliothekssaal beherbergt ca. 70.000 Bände. Der gesamte Bücherbestand des Stiftes umfasst an die 200.000 Bände. Den kostbarsten Schatz bilden dabei die mehr als 1.400 Handschriften (ab dem 8. Jahrhundert) sowie die 530 Inkunabeln (Frühdrucke bis zum Jahr 1500).

Die weltgrößte Klosterbibliothek ist barrierefrei zugänglich und auch ohne Führung zu besichtigen!

Fotogalerie der Stiftsbibliothek
VonWong_StiftAdmont_3
« 1 von 29 »

 

Generalrestaurierung der barocken Stiftsbibliothek

In den Jahren 2004 bis 2008 wurde die Admonter Stiftsbibliothek erstmals restauriert. Lesen Sie weiteres zur Restaurierung.

Gegenwartskunst in der Stiftsbibliothek (Rückblick)

Sehen Sie hier einige Positionen der Gegenwartskunst in der Stiftsbibliothek.

3-D-Ansicht der Admonter Stiftsbibliothek

Sehen Sie hier eine 3D Ansicht der Stiftsbibliothek.

Quelle: Johann Steininger
Quelle: Johann Steininger