Schlagwortarchiv: 2015

Feuer & Flamme – Der Stiftsbrand 1865

Plötzlich erscholl der Schreckensruf: „Das Stift brennt!“

Schiffer 1840 KleinDer 27. April 1865, ein Donnerstag, begann als froher Frühlingstag und endete für Admont, sowohl für den Markt als auch für das Benediktinerstift, als der wahrscheinlich katastrophalste Tag ihrer Geschichte. Stiftsarchivar P. Jakob Wichner bezeichnet diesen Tag als einen der unheilvollsten in der Geschichte der Abtei, denn dieses Unglück überbot alle bisher über Admont hereingebrochenen Drangsale an Graus und Schrecken.

Das Stiftsarchiv Admont verwahrt in seinen Beständen sowohl Augenzeugen- als auch Zeitzeugenberichte. Die wohl beeindruckenste Schilderung der Ereignisse stammt aus der Feder des P. Blitmund Tschurtschenthaler (1825-1893). Demnach brach das Feuer gegen 17 Uhr im Haus vulgo Oberlederer aus. Ein Anwesen, das relativ zentral, in der Mitte des Marktes Admont lag.

Was war die Brandursache? P. Jakob Wichner gibt als Ursache Brandstiftung beim Oberlederer an. Der Täter soll dies sogar vor seinem Tod gestanden haben.

Vom föhnigen Nordwestwind angetrieben breitete sich das Feuer rasch auf die Nachbarhäuser im Markt aus. Doch lassen wir den Augenzeugen P. Blitmund sprechen:

Stiftsbrand1In kurzer Zeit standen beide Häuserreihen von der Mitte des Marktes an bis zur Stiftskirche und auch die alte Amanduskirche in ein Feuermeer gehüllt. […] Als ich vom Thurme weg wieder in mein Zimmer gehen wollte, begegnete mir ganz consterniert der Herr Prälat Carlmann, der gerade von der Kanzlei in die Prälatur ging, und sagte mir: Das Feuer sei schon im Begriffe, in die Prälatur einzudringen. […] Als ich in den ersten Stiftshof kam, begegneten mir schon eine Menge Flüchtlinge aus dem Markte mit Sack und Pack, um im Stifte eine Zuflucht zu finden, da man glaubte, das Stift, als mit Ziegeln gedeckt, werde vom Feuer verschont bleiben; Auch ein Kranker wurde auf seinem Bette liegend in das Stift getragen. Brennende Schindeln wurden nach allen Richtungen vom heftigen Wind durch die Lüfte getragen und fielen rechts und links vor mir im Stiftshofe nieder. Mittlerweile hat der starke Funkenflug aus dem Markt her kommend auch die Dachung der Stiftskirche erfasst, und dies kaum eine Stunde nach dem Ausbruch des Brandes. […] Plötzlich erscholl der Schreckensruf: „Das Stift brennt.“

Stiftsbrand2

Diesem denkwürdigen Ereignis ist die diesjährige Sonderausstellung im Museum des Benediktinerstiftes Admont gewidmet.

Anhand von verschiedenen Exponaten, wie Bildern, Bauplänen, Archivalien und Gegenständen aus dem „alten Stift Admont“, wird das Klostergebäude vor dem Brand und während der Katastrophe nachgezeichnet.

Entgegen vieler (oft lang tradierter) Meinungen ist das Kloster jedoch nicht vollständig niedergebrannt. Man nutzte hingegen die Möglichkeit, durch das Abtragen vieler Bauteile einen damals als „modern“ erachteten Neubau des Stiftes anzugehen, der jedoch nicht einmal ansatzweise vollendet wurde. Das ist das Stift Admont (als Gebäude gesehen) heute.

Noch nie zur Schau gestellte Baupläne für den geplanten Wiederaufbau des Stiftes und realisierte Pläne des Stiftsbaumeisters Wilhelm Bücher vervollständigen diese spannende Sonderausstellung.

Eine Bereicherung erfährt die Ausstellung durch zum Teil historische Objekte (Pumpen, Spritzen, Wägen, etc.), die seitens der Freiwilligen Feuerwehr zur Verfügung gestellt wurden.

P. Maximilian Schiefermüller O.S.B., Stiftsarchivar

Alle Ausstellungen 2015

Nationalpark-Raum

NP Raum_Stift Admont

Leidenschaft für Natur

Eine Ausstellungskooperation zwischen dem Nationalpark Gesäuse und dem Stift Admont

Nur 7 km liegen zwischen dem naturhistorischen Museum des Stiftes Admont und dem Nationalpark Gesäuse Eingang. Seinerzeit nützte Pater Gabriel Strobl die geografische Lage von Admont für ausgedehnte Wanderungen und begründete eine lokale Tradition der Naturforschung, die heute mit dem öffentlichen Forschungsauftrag des Nationalpark Gesäuse weitergeführt wird. Die Leidenschaft, mit der Gabriel Strobl botanisierte oder Insektenkunde betrieb, finden wir bei den Forschern im Nationalpark wieder.

HP NP1Was liegt näher, als diese Gemeinsamkeiten auch in Form einer praktischen Kooperation umzusetzen! Eine kleine Dauerausstellung wird im Naturhistorischen Museum des Benediktinerstiftes Admont versuchen, über die Leidenschaft der Forscher die Emotion der Besucher für die Natur und ganz speziell den nahen Nationalpark Gesäuse zu wecken.

Die Ausstellung wird nicht die Natur des Nationalparks breit erklären, dazu fehlt der Platz. Vielmehr wird sie das Augenmerk der Besucher auf aktuelle Forscherpersönlichkeiten und wenige kleine aber feine Juwelen lenken. „Es ist merkwürdig, wie viele Geschöpfe wild und frei, wenn auch verborgen im Walde leben.“ (H.D. Thoreau in Walden).

(C) Nationalpark Gesäuse, Popp & Hackner
(C) Nationalpark Gesäuse, Popp & Hackner

„Leidenschaft für Natur“ sucht die Konzentration auf wenige Themen und zwar solche, die in der Natur nicht so leicht wahrgenommen werden können. Weglassen und reduzieren ist die Vorgabe für das Ausstellungsteam, keine einfache Aufgabe. Neben der Naturforschung wird die Ausstellung weitere Assoziationen mit dem Stift Admont aufgreifen, an die Sammlung „Jenseits des Sehens“ anknüpfen und einen künstlerischen Schwerpunkt mit Akustik setzen.

Der aus dem großen Walsertal stammende Komponist Thomas Gorbach verwirklicht mit einem „Acousmonium“ eine Raumklanginstallation, die Original-Geräusche aus dem Gesäuse kompositorisch überarbeitet. Ganz besonders spannend ist, dass diese Klangkulisse auf die Anwesenheit und Bewegung der Besucher reagieren wird, die Töne als vierte Dimension den Raum erlebbar machen werden.

Das Planungsteam verfolgt somit ein innovatives Konzept. Ein starker visueller Gesamteindruck in Verbindung mit einem neuartigen Hörerlebnis wird Besuchern lange in Erinnerung bleiben.

Ausstellungen 2016

 

Zum Nationalpark Gesäuse:

http://www.nationalpark.co.at/

Ausstellungen 2015

Feuer & Flamme

Vom Admonter Stiftsbrand 1865 bis heute

22. März bis 1. November 2015 (zu den Winteröffnungszeiten lediglich im Museum für Gegenwartskunst noch zu besichtigen, Ausstellung in der Säulenhalle nicht mehr geöffnet!)

HP Erdgschoss (2)

Die Jahresausstellung 2015 wurde vom verheerenden Brand im April des Jahres 1865 initialisiert. Diese Katastrophe übertraf alle Schicksalsschläge in der seit 1074 währenden Geschichte des Stiftes Admont. Sie jährte sich 2015 zum 150sten Mal.

Wertvollste Sammlungen vernichtet

Stiftsbrand2Der Brand zerstörte große Teile des Ortes Admont und nahezu das gesamte Stift samt der Stiftskirche. Wertvollste Sammlungsbestände aus den verschiedensten Bereichen wurden ebenfalls vernichtet. Der Bibliothekssaal und dessen Bücherbestand konnten gerettet werden. Das aus dem 17. Jahrhundert stammende „Altgebäude“ wurde völlig abgetragen. Die drei großen Trakte des „Neugebäudes“ wurden weitgehend wieder instand gesetzt. Der Wiederaufbau blieb jedoch fragmentarisch.

Konsequenzen des Feuers

Schiffer 1840 KleinUnter dem Titel „Feuer & Flamme. Vom Admonter Stiftsbrand bis heute“ machte die Sonderausstellung die für das Kloster so bedeutenden Ereignisse von damals wieder nachvollziehbar. Sie erörterte auch deren weitreichende Konsequenzen. Zwei davon seien hier genannt: Als erster großer neugotischer Sakralbau Österreichs wurde die Admonter Stiftskirche auf den alten Fundamenten neu errichtet. Und Pater Gabriel Strobl hat im Zeitraum 1866-1906 nach der Zerstörung des Naturalienkabinetts das Naturhistorische Museum geschaffen.

Sonderausstellungs-Überblick

HP Feuer Erdgeschoss (1)Ausgangspunkt des Rundganges durch die verschiedenen Bereiche der Sonderausstellung war die barocke Säulenhalle im Erdgeschoss. Dort hieß es: Plötzlich erscholl der Schreckensruf: „Das Stift brennt!“ Anhand von verschiedenen Exponaten, wie Bildern, Bauplänen, Archivalien und Gegenständen aus dem „alten Stift Admont“, wurde das Klostergebäude vor dem Brand und während der Katastrophe nachgezeichnet.

Ein Video und die Zusammenschau von bisher nie gezeigten Exponaten ließ eine Vorstellung von den Dimensionen der Zerstörung, von der Komplexität der Umwälzungen und von den Herausforderungen des Wiederaufbaues gewinnen. Auch die historische Brandbekämpfung wurde thematisiert. Leihgaben von regionalen Feuerwehrverbänden (von den Freiwilligen Feuerwehren Admont, Ardning, Frauenberg, Hall und Weng) ließen es in der Ausstellung lebendig knistern.

FLI.Stammel, Universum, Stereoskopisch, 1860
Historische stereoskopische Aufnahme aus dem Jahre 1860 der beim Stiftsbrand abgebrannten Skulptur „Universum“ von Josef Stammel

Zahlreiche historische Ansichten des Ortes und des Stiftes vor und nach dem Brand, darunter stereoskopische Aufnahmen aus dem Jahre 1860 (also 5 Jahre vor dem Stiftsbrand!) ließen ein ganz neues Bild vom Stift und vom Ort Admont entstehen.

NHM, StroblWie Phönix aus der Asche haben sich die Betroffenen aus diesem Untergangsszenario heraus wieder kraftvoll in eine neue Zeit erhoben. Die 80.000 Herbarien-Blätter, über 250.000 Insekten, die Mineralien und Gesteine sowie die zahlreichen weiteren Präparate des Naturhistorischen Museums verdeutlichten die aus heutiger Sicht unglaublichen Leistungen von P. Gabriel Strobl. Die Flammen und das Naturhistorische Museum waren lebensbestimmend für diesen außergewöhnlichen Menschen. Selbst im Unglück liegt immer noch ein Rest von Hoffnung auf ein erfolgreiches Wirken mit einer ehrenvollen Zukunft.

Im Handschriftenraum wiesen wertvolle handgeschriebene und kunstvoll verzierte Schriften auf die beiden Grundelemente menschlichen Lebens hin: Feuer und Wasser.

Im Kunsthistorischen Museum ging die Präsentation der gottesdienstlichen Kleider, der Paramente, in farblicher Hinsicht auf das brennende Element ein. Im Feuer vergoldete Kelche und Monstranzen ergänzten diese Themenwahl.

GegenwartskunstDer Bereich Gegenwartskunst ging den „Aspekten des Feuers“ in Malerei, Skulptur, Grafik, Foto- und Videokunst der seit 1997 im Aufbau befindlichen hauseigenen Sammlung nach. Das Phänomen Feuer in der Kunst ist ein erstaunlich vielseitiges! In dieser Ausstellung fanden sich konkrete und metaphorische Darstellungen des Feuers. Es ging auch um Kunstgeschichte des Feuers, so etwa um das rote und das brennende Bild. Und es wurden Themen wie brandgefährliche Ideologien (Gedenkausstellung Hannes Schwarz), Umweltzerstörung und Katastrophenszenen zur Diskussion gestellt. Ebenso wurde deutlich: Es gibt auch vor Schaffenskraft brennende und nahezu verbrennende Künstlerinnen und Künstler.

Wie die Inbrunst des Glaubens, so hat aber auch die Leidenschaft des Sammelns selbst mit Feuer & Flamme zu tun; ebenso wie die Begeisterung für eine Sache oder für eine Idee, die wiederum selbst zündend sein kann.

Vielleicht sprang auch auf Sie ein Funke über – womöglich ein inspirierender.

Fotogalerie zur Ausstellung Feuer & Flamme

[ngg_images gallery_ids=“11″ display_type=“photocrati-nextgen_basic_slideshow“]

 

Links zu den verschiedenen Ausstellungsbereichen:

HP Feuer Erdgeschoss (1)

Säulenhalle, „Das Stift brennt!“ – Stiftsbrand 1865

Naturhistorisches Museum

Die Flammen und das Naturhistorische Museum

Kunsthistorisches Museum

„Feuer und Flamme“ im Kunsthistorischen Museum

St 03

„Die Hölle“ von Josef Stammel in der Stiftsbibliothek

Der Handschriftenraum

„Feuer und Wasser“ im Handschriftenraum

HP Dieter Preissl . Michael Kienzer . Herbert Brandl

„Aspekte des Feuers“ im Museum Gegenwartskunst

Schwarz Admont 1

Brandgefährliche Ideologien – Gedenkausstellung Hannes Schwarz

Weitere News im Museum in der Saison 2015

Bury Galadiner2

Künstlerische Intervention im Kunsthistorischen Museum: Götz Bury, Galadiner

NP Raum

Ausstellungskooperation mit dem Nationalpark Gesäuse im Naturhistorischen Museum

 

Siehe auch weiter zu den vergangenen Ausstellungen!