Prachtornate von Frater Benno Haan

Fr. Benno Haan wurde 1631 in Kopenhagen geboren. 1656 legte er im Stift Admont seine Profess zum Laienbruder ab. Bis zu seinem Tode im Jahre 1720 schuf er textile Kunstwerke von Weltrang in den unterschiedlichsten Techniken. Er  ging als „Meister der Nadel“ in die Stifts- und Kunstgeschichte ein.

1657 entstand als frühestes Admonter Werk der Schutzengelornat. Glanzvoller Höhepunkt seines Schaffens ist der um 1680 datierte Weihnachtsornat. Das umfangreiche Ouevre umfasst weiters den Katharinen-, den Pfingst- und den Benediktusornat sowie die großformatigen Wandbehänge der Stiftskirche. Auch Arbeiten für andere Klöster und Gotteshäuser von Fr. Benno Haan sind belegt.

Das bevorzugte Material Fr. Benno Haans waren spektral-schattierte, spaltbare Seidenfäden. Sie wurden in bewusster Assoziation zu Gemälden als „Nadelmalerei“, der feinsten Form von Flachstickerei, ausgeführt.  Bei dieser Technik werden die Stiche von verschiedener Länge durch den unteren Faden gestochen. Sie greifen ineinander über und erzielen auf diese Weise feinste Schattierungen. Der ornamentale Kontext dieser Bildstickereien wird aus Gold- und Silberfäden – teils in Anlegetechnik, teils in Flach- und Hochrelieftechnik über modellierten Motivunterlagen gebildet.

Als Benediktiner bemühte sich Fr. Benno Haan stets, das in der Benediktusregel formulierte Ziel „Ut in omnibus glorificetur Deus – damit in allem Gott verherrlicht werde“ (Regel des heiligen Benedikt, Kap. 57, 9) zu verwirklichen. Nur so sind der Glanz und die Schönheit seiner Stickereien wirklich zu verstehen. Kirchliche Prachtentfaltung sahen seine Mitbrüder und er nicht als Ausdruck eigener Eitelkeit an, sondern als Versuch, Gott das Beste zu schenken. Zugleich sollten die Messgewänder etwas erahnen lassen von der Herrlichkeit des ersehnten Paradieses.

Kustos der Paramentenkammer: P. Maximilian Schiefermüller OSB