Josef Stammel – Universum

Stereoskopische Fotografie, um 1860

FLI.Stammel, Universum, Stereoskopisch, 1860Zur Zeit, als Josef Stammel um 1760 für die Skulpturengruppe „Die Vier Letzten Dinge“ arbeitete, hat er auch eine andere Skulptur geschaffen: Das sogenannte „Universum“. Dieses war nach deren Fertigstellung im Zentrum der Admonter Stiftsbibliothek unter der Mittelkuppel aufgestellt. Es ist belegt, dass das Universum im frühen 19. Jahrhundert aus ungeklärten Gründen aus der Bibliothek entfernt wurde. Stattdessen wurden hier Stammels „Vier Letzte Dinge“ positioniert. Das Universum wurde neben archäologischen und ethnologischen Beständen, sowie neben anderen Kunstgegenständen im Naturalien-Cabinet im Nordturm neu aufgestellt. Beim Brand von 1865 wurde das von Abt Gotthard gegründete Naturalien-Cabinet zusammen mit dem Universum zerstört.

Diese etwa vier Meter hohe Skulpturengruppe war einmalig in der barocken Ikonografie. In ihrer Vielfältigkeit an Figuren und Reliefs bot sie ein verdichtetes Abbild der Welt in all ihren Entwicklungen und Erscheinungsformen. Man kann sie als in Skulpturenform übersetztes Wissen der Zeit ansehen – in Analogie zu dem Wissensspeicher, in dem sie ursprünglich zur Aufstellung gelangt war. Dieses „Panoptikum“ entsprach dem vom Geist der Aufklärung getragenen Bildungsideal. Ein Zeitgenosse Abt Gotthards schrieb: „Ihm (dem Abt) gebührt der Ruhm, durch Anregung des wissenschaftlichen Geistes im Stifte Licht geschaffen zu haben“.

Um 1860 – nur 5 Jahre vor dem großen Brand – entstand im Stift eine Serie von stereoskopischen Aufnahmen von den größten Sehenswürdigkeiten des Stiftes. Eine von Ihnen zeigt Stammels vernichtetes „Universum“.

Heute kann man mittels eines Viewers diese historische Aufnahme in der Stiftsbibliothek in 3-D betrachten.