Hannes Schwarz

Hannes Schwarz (1926-2014) – Gedenkausstellung im Museum des Stiftes Admont

Schwarz (Molacek)Anlässlich des Todes des Malers und Humanisten Hannes Schwarz zeigt das Museum des Stiftes Admont eine Sonderausstellung. Ergänzt durch Leihgaben ist eine Auswahl aus den 24 Ölbildern und 68 Grafiken zu sehen, die der Künstler dem Stift Admont im Jahre 2002 zum Geschenk gemacht hat. Hannes Schwarz war einer der wichtigsten steirischen Künstler der Nachkriegszeit. Sein Werk resultiert aus einer kritischen Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte – im spezifischen mit den ideologischen Abgründen des NS-Regimes.

HSchwarz Admont 3annes Schwarz wurde 1926 als Sohn einer Arbeiterfamilie, die ihm keine höhere Ausbildung ermöglichen konnte, in Anger bei Weiz geboren. Er wuchs unter der Erziehung seines sozialdemokratischen Vaters und seiner streng religiösen Mutter in einem kargen ländlichen Umfeld auf. Hannes Schwarz war schon früh durch außerordentliche geistige, kulturelle und sportliche Begabung aufgefallen. Um ihm eine Karriere zu ermöglichen, willigten seine Eltern im Jahre 1938 zögernd ein, ihn die NS-Spitzenschule Ordensburg Sonthofen besuchen zu lassen. Diese ideologische Prägung stand ganz im Gegensatz zu der Geisteshaltung seiner Familie. Sie hat während der NS-Zeit eine jüdische Familie unterstützt. Nach der Matura 1944 wollte er Maler werden. Er bestand die Aufnahmeprüfung an der Akademie in Stuttgart, wurde aber bald an die Front kommandiert.

Schwarz Admont 2Nach den unzähligen Schrecken des Krieges brachte das Jahr 1945 für Hannes Schwarz eine völlige geistige Neuorientierung mit sich. Er erwachte wie aus einem Albtraum. Und er beschäftigte sich mit dem Existenzialismus und der Frankfurter Schule, mit informeller und abstrakter Malerei. Seine Ausbildung zum Künstler fand im Wesentlichen auf autodidaktischen Wegen statt. Dank seines Brotberufes als Kunsterzieher konnte er ohne Verkaufsdruck konsequent einen eigenen künstlerischen Weg fern des Mainstreams und des turbulenten Kunstgeschehens gehen.

Ab 1955 gewannen Abstraktion und Informell an Bedeutung für das Werk von Schwarz. Ab 1959 entstand eine Serie von besonders innovativen Materialdrucken. Die Werke der 60er Jahre sind von surrealistisch modellierten weiblichen Figuren, expressiv deformierten Leibern hinter Gittern und ausgesetzten und hilflos leidenden Menschen geprägt. Den hoffnungslos todgeweihten, isolierten Kreaturen in den Bildern der frühen 70er Jahre folgte schließlich um 1975 eine Werksphase, in der die Darstellung des Menschen in den Hintergrund rückte.

Schwarz Admont 1Die Bilder von Hannes Schwarz sind von der Erfahrung des NS-Grauens geprägt. In einigen Werkphasen finden sich deutliche Erinnerungs-Relikte aus der Ära des Faschismus: etwa Fahnen, Wimpel, Mauern, Monumente, Stelen, Opferstätten. Die Kunst von Hannes Schwarz entspringt einer metaphysischen Not. Aus Ihrer oft erschreckend wirkenden Ästhetik weht der Geist tiefer Nachdenklichkeit, Skepsis, Warnung. Seine geschundenen Leiber malte Schwarz, wie Wilfried Skreiner bemerkt hat, zeitgleich mit oder teilweise sogar vor Francis Bacon. In den späteren Bildern verschwindet der Mensch. Er ist noch nicht da oder schon wieder weg. In den Landschaften voller minimalistischer Ästhetik, den Früchten als Emanationen des Geistes, wird zunehmend die starke Sehnsucht des Künstlers nach einer vorsichtigen Bejahung des Lebens spürbar.

Zu Leben und Werk von Hannes Schwarz ist auch ein Buch im Museumsshop erhältlich:

Hannes Schwarz, Innenreise. Das künstlerische Werk von Hannes Schwarz im Benediktinerstift Admont. Hrsg. Abt Bruno Hubl und Michael Braunsteiner, Admont 2002.

Download der Ansprache zum Begräbnis von Hannes Schwarz am 20. Juni 2014 in der Weizbergkirche von Johannes Rauchenberger „Die unendliche Sehnsucht nach einem Ja“.

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