Hannes Schwarz
Im Jahre 1996 hat das Benediktinerstift Admont ein großzügiges Geschenk des Künstlers Hannes Schwarz erwerben können: eine Werkgruppe von 24 Ölbildern und 68 Grafiken.
Hannes Schwarz wurde im Jahre 1926 in Anger bei Weiz geboren. Als musisch hoch begabtes Kind wurde er in die nationalsozialistische Eliteschule Krössinsee (Pommern) bzw. Sonthofen (Allgäu) einberufen. Nach der Matura wollte sich Schwarz ganz der Malerei widmen und absolvierte im Jahr 1944 die Aufnahmeprüfung an der Akademie in Stuttgart. Unvermittelt wurde er jedoch eingezogen und an die Front kommandiert, wo er die Gräuel des NS-Regimes und die brutale Sinnlosigkeit des Kriegswahnes erlebte.
Nach dem Ende des Krieges begann Schwarz mit einer radikalen Aufarbeitung der oktroyierten NS-Ideologie, die zu einem existentialistisch geprägten Verständnis der Humanität und einer zutiefst skeptischen Grundhaltung führte, die für ihn und sein künstlerisches Werk lebenslang bestimmend blieben. Das gesamte künstlerische Schaffen von Schwarz ist als autotherapeutische Verarbeitung seiner politisch indoktrinierten Jugendzeit und den erschütternden Erlebnissen während der Kriegsjahre zu verstehen.
Hannes Schwarz ist einer jener wenigen österreichischen Künstler, deren Werk aus einer kritischen Auseinandersetzung mit der Zeitgeschichte resultiert. Im Werk von Hannes Schwarz sind verschiedene Phasen zu erkennen:
Seine ersten Schaffensjahre ab 1948 zeichnen sich durch eine Auseinandersetzung mit der klassischen Moderne aus. Die österreichische Avantgarde wurde in dieser Zeit von der gegenstandslosen Malerei, der einsetzenden informellen Malerei und wesentlich auch von der gestischen Malerei geprägt.
Ab 1955 gewannen Abstraktion und Informell an Bedeutung für das Werk von Schwarz.
Ab 1959 entstand eine Serie von besonders innovativen Materialdrucken und deren Übersetzung in die Malerei.
In den 1960er Jahren erschienen die „Gitterbilder“ – geschundene Leiber hinter Gitterstäben –, die das krasseste Werkbeispiel für die Auseinandersetzung des Künstlers mit den Schrecken des Krieges sind.
Den surrealistisch modellierten weiblichen Figuren, den expressiven deformierten Leibern hinter Gittern und den ausgesetzten und hilflos leidenden und isoliert ausgesetzten Menschen der 1960er und 1970er Jahre folgte um 1975 eine Werkphase, die zunehmend von der Absenz des Anthropomorphen bestimmt wurde: Gewänder und Tücher, Sockel und Opfersteine wurden nun zu Metaphern der Opfer innerhalb des NS-Regimes.
Von einer Spanienreise inspiriert, begann Schwarz in den 1980er Jahren Landschafts- und Meditationsbilder zu entwerfen, um ab 1991 ein neues Motiv aufzunehmen: „Fahnen“ und „Wimpel“, die Zeichen einer bewusst gemachten Erkenntnis der Individualität sind – so, als öffneten sie sich nur dem Blick des Wissenden, dem verwandten Geist.
Buch-TIPP: Hannes Schwarz, Innenreise. Das künstlerische Werk von Hannes Schwarz im Benediktinerstift Admont. Hrsg. Abt Bruno Hubl und Michael Braunsteiner, Admont 2002. Erhältlich im Museumsshop; museum@stiftadmont.at