Die stille Leidenschaft des guten Geistes - Sabine Langauer

Seit 1993 im Stift beschäftigt, hat sich das Aufgabenfeld der 1967 in Leoben geborenen Sabine Langauer über die Jahre hinweg kontinuierlich erweitert. Die ursprünglich als stiftische Raumpflegerin angestellte Allrounderin wurde sehr bald zu einer unverzichtbaren Stütze Michael Braunsteiners beim Auf- und Abbau der Ausstellungen, um deren Wartung im laufenden Betrieb sie sich auch heute noch kümmert. Es überrascht daher wenig, dass man im Jahr 1998 die Betreuung des Paramentendepots in ihre Hände legte.

Um dem Kind schließlich einen Namen zu geben und die überaus heterogenen Aufgabenbereiche, die von Langauer gleichermaßen kompetent abgedeckt werden, auf einen Begriff zu bringen, schuf man die Bezeichnung „museale Assistenz“. Stets energiegeladen, bisweilen energisch, aber immer zuvorkommend und hilfsbereit, ist sie dafür bekannt, jedes vorhersehbare oder unvorhergesehen auftretende Problem binnen kürzester Zeit einer praktikablen Lösung zuzuführen.

Auch Jürgen Götze, der damalige Kustos des Naturhistorischen Museums, war sich bereits seit Längerem ihrer Qualitäten bewusst, als er ihr 2001 anbot, das Anlegen der Herbarmappen zu übernehmen.  Seither arbeitet sie kontinuierlich an der Konservierung einer Sammlung, die über Jahre hinweg in den Kellern des Grazer Joanneums, wohin sie im Laufe der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges verbracht worden war, auf ihre Rückführung warten musste. Bereits unter Götzes Vorgänger Günter Morge war der in Kartons gelagerte und in Zeitungspapier eingeschlagene Bestand wieder nach Admont gekommen. Der von Seiten des Konvents geäußerte Wunsch, man möge sich um dessen Sicherung bemühen, stand am Anfang eines Projekts, das bei weitem noch nicht als abgeschlossen gelten kann.

Das in unterschiedliche Bestände zerfallende botanische Material wurde bis zu diesem Zeitpunkt noch nie systematisch gezählt, sein Größenumfang wird jedoch auf circa 65.000 Stück geschätzt. Zusammengetragen wurde die Sammlung von P. Gabriel Strobl, dessen wissenschaftliche Neugierde sich im ersten Jahrzehnt seiner Forschungstätigkeit sehr stark auf den botanischen Bereich konzentrierte. Die bis dato älteste, bereits bearbeitete Pflanze stammt aus dem Jahr 1850. Sie ist, wie zahlreiche andere Pflanzen auch, über einen botanischen Tauschverein aus Wien in die Sammlung gelangt, wie ein entsprechender Stempel bezeugt. Derzeit konnten bereits 7000 Mappen fertig gestellt werden, die jeweils ein botanisches Exemplar enthalten.

Noch vor Beginn der eigentlichen Konservierungsarbeit müssen die außerhalb des Naturhistorischen Museums gelagerten Pflanzen samt Beschreibungszetteln über einen Zeitraum von drei Wochen bei -27°C tiefgekühlt werden. In Faszikeln zusammengefasst, finden an die 2500 in Leintuch und Plastik eingeschlagene Pflanzen auf einmal in einer herkömmlichen Tiefkühltruhe Platz. Anfänglich sind sogar Temperaturen von bis zu -38°C notwendig, um etwaigen Schadinsekten definitiv den Garaus zu machen. Größere Fraßspuren, wie sie ca. 10 % des unbearbeiteten Pflanzenbestandes aufweisen, erschweren nicht nur die Rekonstruktion der entsprechenden Exemplare, sondern führen auch die zentrale Bedeutung dieser präventiven Maßnahme eindringlich vor Augen.

Die Herstellung einer einzelnen Mappe nimmt rund 15 Minuten in Anspruch und beginnt mit dem oft mühsamen Procedere des Herauslösens der Pflanze aus der alten Mappe. Säurefreies Seidenpapier, das ebenfalls als natürlicher Schutz gegen Schädlingsbefall fungiert, wird mit rückwärtiger Naht auf Karton geklebt. Die darauffolgende Stempelung identifiziert die Pflanze hinsichtlich ihrer Sammlungszuordnung. Fixiert wird das Exemplar mit zuvor zurechtgeschnittenen, ebenfalls säurefreien Klebestreifen. Sorgfalt ist bei dieser Arbeit oberstes Gebot, schließlich gilt es, das trockene Material nicht zu beschädigen. Jede Pflanze wird im Anschluss daran händisch in einer Liste verzeichnet und später mittels PC erfasst.

Zur Aufbewahrung der fertigen Mappen werden in der stiftseigenen Tischlerei Zirbenholzkästen angefertigt, da dieser Holzsorte nachgesagt wird, dass sie Schädlinge am besten abhält. In den historischen Modellen nachgebildeten Behältnissen finden, je nach Pflanzengröße, zwischen 55 und 160 Exemplare Platz. Rechnet man den noch bevorstehenden Arbeitsaufwand anhand der Dunkelziffer der vorhandenen Exemplare hoch, ergibt sich eine nicht unbeträchtliche Anzahl von 14.500 Stunden. Sabine Langauer wird sich dieser Aufgabe weiterhin mit viel Genauigkeit und der nötigen Portion Geduld annehmen und sich so der Sicherung des botanischen Bestandes in kleinen, aber kontinuierlichen Schritten nähern.


  

DRUCKEN
Sabine Langauer
Restaurierung der Herbarien hinter den Kulissen
Restaurierung der Herbarien
In mühevoller Kleinstarbeit werden die bestehenden Herbarien restauriert
Sabine Langauer
Frau Langauer bei der Arbeit
Sabine Langauer
Die archivierten Herbarien werden auf neue Blätter geklebt