Ein Herz für Steine - Karl-Heinz Krisch

Auf die Frage hin, was ihn nach Admont gebracht hat, kommt Karl-Heinz Krisch auf die Schließung des Bergbaus in Hohentauern zu sprechen. Im Jahr 1991 musste der 1944 in Hermsdorf, im ehemaligen Sudetenland, geborene, studierte Bergbau-Ingenieur seiner Belegschaft die traurige Nachricht überbringen. Um die traditionelle Verbundenheit mit dem Gestein, dessen Abbau vor Ort gerade im Begriff war, Geschichte zu werden, in irgendeiner Form zu bewahren, entschloss man sich zur Einrichtung einer jährlich stattfindenden Mineralienbörse, welche nicht zuletzt auch darauf abzielen sollte, die Kontakte unter den Sammlern aufrecht zu erhalten.

Bei dieser Gelegenheit fand auch die erste Begegnung mit P. Winfried aus dem Admonter Konvent statt, dem es schlussendlich gelang, Krisch dazu zu bewegen, seine auf jahrelanger internationaler Berufstätigkeit und privater Leidenschaft beruhende Expertise im Rahmen des Naturhistorischen Museums einzubringen. Seit März 2003 betreut er, wann immer es seine, wie er bekennt, seit der Pensionierung noch knapper gewordene Zeit erlaubt, dessen mineralogische Sammlung.

Zwei Inventarbücher, die von P. Roman Schmid zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in gestochener Handschrift angelegt worden waren, bilden die dürftige Ausgangslage für die 2004 begonnene Aufnahme der Sammlungsbestände. Diese erste Katalogisierung erfolgte nach alten, mineralogischen Büchern, was sie, so der vielfältig Interessierte, auch aus wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive höchst aufschlussreich erscheinen lässt.

Zu dieser Zeit wussten die sogenannten Kreationisten, welche sich auf den göttlichen Ursprung der Schöpfung beriefen und damit massiv gegen die Vorstellung einer auf Naturgesetzen basierenden Entwicklung des Lebens opponierten, noch weitgehend das naturgeschichtliche Deutungsmonopol auf sich zu vereinen. Auf geologischem Gebiet kreuzten zu Beginn des 19. Jahrhunderts, einer Zeit äußerst bewegter intellektueller Debatten, die Neptunisten mit ihrer Theorie, dass die Gesteine aus Ablagerungen aus dem Wasser entstanden seien, die Klinge mit den Plutonisten, die mit ähnlichem Nachdruck deren Herkunft aus dem Erdinneren vertraten.

Die heutigen Herausforderungen sind für Krisch, der sich in erster Linie als Bergmann und nicht so sehr als Wissenschaftler sieht, ganz andere. Von den derzeit gezählten 5576 mineralogischen Exemplaren, die bereits katalogisiert wurden, liegen in einer digital abrufbaren Form Informationen zum aktuellen Standort in der Sammlung, der jeweiligen originalen wie aktuellen Objektbezeichnung und der historischen wie der gegenwärtigen Fundortsbezeichnung vor. Zahlreiche Lücken in der Dokumentation einzelner Exemplare stellen das Wissen und die kombinatorischen Fähigkeiten des Experten immer wieder auf die Probe und kosten vor allem eines, nämlich Zeit.

Über die Kenntnis der Paragenese, wie man im Fachjargon das gemeinsame Vorkommen verschiedener Gesteine bezeichnet, können Rückschlusse auf deren Herkunft gezogen werden. Darüber hinaus lassen sich daraus wertvolle Hinweise auf Temperatur- und sonstige Bildungsbedingungen gewinnen.
Das große Potenzial der Admonter Sammlung, für deren systematischen Aufbau nach dem Stiftsbrand von 1865 wiederum P. Gabriel Strobl verantwortlich zeichnet, liegt in ihrem Querschnitten durch komplette, mittlerweile historische Bergbaue, mit allen damals dort vorkommenden Gesteinen und Mineralien.

Lagerstättenprofile, wie die aus Schemnitz, dem ehemaligen oberungarischen Bergbaurevier, seien, so Krisch, auch wissenschaftlich von Bedeutung. Die Konzeption als Lehrmittelsammlung beeinflusste ganz entscheidend die Art und Gestalt des Bestandes, der einen Querschnitt durch mitteleuropäische Gesteine und Mineralien repräsentiert, und erklärt auch, warum das Hauptaugenmerk bei der Zusammenstellung nicht unbedingt auf ästhetischen Kritierien lag. Ein allgemeines mineralogisches Interesse verdankte sich aber sicher auch der intensiven historischen Verflechtung der stiftischen Wirtschaft mit dem Bergbau, wodurch die Kenntnis von Gesteinen hier vor Ort schon immer eine große Rolle gespielt hatte.

Neben der Betreuung der Sammlung, die ganz bewusst in ihrer historischen Ordnung konserviert wurde, ist es ihm, dessen private Sammlungsleidenschaft den Kristallen gilt, ein zentrales Anliegen, die Freude an einem so toten Material wie Stein an andere weiterzugeben. Jeder Stein, gerät er ins Schwärmen, erzählt eine Geschichte, je nach seiner Entstehungstiefe und den dort vorherrschenden Wärmebedingungen oder der Farbe, die er trägt. Das Wissen darum verändere auch den Blick auf die Steine. Mit dem Ziel würde er, wie er sinniert, schließlich auch dem einen benediktinischen Stift nicht ganz fremden Grundgedanken, den Menschen die Augen für die Werke der Schöpfung öffnen zu wollen, recht nahe kommen.


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Karl-Heinz Krisch
Der Mineralienforscher Karl-Heinz Krisch
Karl-Heinz Krisch
Mineralien des Stiftes Admont werden genau unter die Lupe genommen
Amethyst
Wertvolle Mineralien in den Depots des Naturhistorischen Museums im Stift Admont