Künstlerische Intervention
Innerhalb des Kunsthistorischen Museums wurde der „Raum für künstlerische Interventionen“ vorgesehen.
Künstler und Künstlerinnen erhalten regelmäßig den Auftrag, die Rolle von KuratorInnen zu übernehmen und diesen musealen Raum nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Dafür stehen ihnen unterschiedlichste Objekte aus den stiftischen Depots und Sammlungen zur Verfügung, die nicht unbedingt wertvoll oder intakt sein müssen. Diese können in Installationen integriert, mit eigenen künstlerischen Werken oder anderen Medien kombiniert werden. In diesem Raum zeigt sich also die Reaktion des jeweiligen Künstlers auf diesen speziellen Ort mit seinen Menschen.
Der Rollenwechsel vom Künstler zum Ausstellungsmacher, der kreative Eingriff in traditionelle museale Wertsysteme seitens zeitgenössischer KunstproduzentInnen, damit verbunden die sichtbar gemachte Kommunikation von Historie und Gegenwart, bieten die Möglichkeit völlig neuer Sichtweisen. Gedankenanstöße in Richtung einer Infragestellung alter und neuer Werte sind durchaus beabsichtigt ...
Folgende Installation ist vom 27. März - 06. November 2011 zu sehen:
ADMONTER MADONNA
Multimediale künstlerische Intervention von Karl Leitgeb
im Kunsthistorischen Museum
Der letzte Raum im Kunsthistorischen Museum steht GegenwartskünstlerInnen für jährlich wechselnde künstlerische
Interventionen zur Verfügung. Nur ein Portal trennt historische von aktueller Kunst. Man durchschreitet sozusagen in einer Sekunde über 200 Jahre. Dadurch kann erleb- und spürbar werden, wie sehr sich das Stift Admont seit dem Barock, einer seiner Blütezeiten, nun wieder mit der Kunst der Gegenwart identifiziert und die Kultur unserer Zeit im neuen Museum fördert.
Nach Interventionen von Franz Graf (2003), Ingeborg Strobl (2004), Markus Wilfling (2005), Norbert Trummer (2006), Thomas Baumann und Martin Kaltner (2007), Stefan Emmelmann (2008), Wilhelm Scherübl (2009) und Werner Reiterer (2010) wird dieser Raum 2011 von Karl Leitgeb gestaltet.
Den Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet die nicht mehr im Original
im Stift Admont vorhandene „Admonter Madonna“, entstanden um
1310. Das Original musste im Zuge der Wirtschaftskrise in den 1930er Jahren verkauft werden. Es befindet sich heute in der Alten Galerie am Universalmuseum Joanneum in Graz. Eine Kopie dieser für den Ort so wichtigen Marienstatue befindet sich in der Admonter Stiftskirche. Stellvertretend für vergleichbare Situationen andernorts hat die Absenz dieses Kunstwerkes Karl Leitgeb zu dieser Arbeit angeregt. Gerade in ihrer Abwesenheit vermutet er eine Kraft, die ihren Mythos zu steigern vermag.
Anlässlich der Eröffnung des neuen Museums im Jahre 2003 war das Original für kurze Zeit als Leihgabe in Admont zu bewundern. Ihre temporäre Anwesenheit wurde tendenziell als etwas Selbstverständliches angesehen. Geredet wurde erst wieder über
sie, als sie wieder zurück nach Graz gekommen war. Eine wertlose Madonnenstatue aus neuerer Zeit und ein altes Tonbandgerät als Attribut, durch das ein bespieltes Endlosband läuft, sind zu sehen. Das Endlosband versteht sich einerseits als sich stetig verändernde Skulptur.
Andererseits ist es, seiner Bestimmung gemäß, Tonträger. Zu hören sind die Bemühungen einer Dame (Federica Romanini), wie sie möglichst ruhig in einem von Besuchern durchströmten Sakralraum um Schaffung von Stille bemüht ist. Silentium! Die Ruhe, die Stille als Phänonem in Räumen, vor allem in Kunsträumen, ist ein weiteres Thema dieser mehrschichtig interpertierbaren Arbeit, die durch ein Video dokumentiert wird.
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