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Nicht durch das Wort, nicht durch die Feder...
Frater Benno Haan, ein dänischer Benediktiner in Österreich
„Der 6. November [1720] war der Sterbetag eines Religiosen, der sich nicht durch die zündende Macht des Wortes, nicht durch eine begeisternde Feder, sondern mit der Nadel ein rühmliches Denkmal gesetzt hat.“
Mit diesen Worten beschreibt der Historiker P. Jakob Wichner in seiner Geschichte der österreichischen Benediktinerabtei Admont das Wirken des verstorbenen Mitbruders Frater Benno Haan. 1631 in Kopenhagen geboren, legte der Däne 1656 seine Profess als Laienbruder im Kloster Admont ab. Über 60 Jahre wirkte er als Paramentensticker mit Nadel und Faden bis zu seinem Tod am 6. November 1720.
Benno Haan zählt zu den bedeutendsten kirchlichen Barockkünstlern in Europa. Er hinterließ Messgewänder von unschätzbarem Wert, bestickt mit Fäden aus Gold und Silber sowie feinster Seide. Nur staunen kann der Betrachter über die Kunstfertigkeit dieses Mannes, der in klösterlicher Stille und Genügsamkeit arbeitete.
Erste handwerkliche Kenntnisse erhielt der spätere Mönch vermutlich in seiner engsten Umgebung, vielleicht im Elternhaus. Später zog es ihn in die Fremde, in die Zentren der damaligen Stickkunst. Wahrscheinlich setzte Benno Haan im Süden Deutsch-lands, möglicherweise in Augsburg oder München, seine Ausbildung fort. Urkundlich erstmals wirklich fassbar wird seine Person mit dem Klostereintritt in Admont. Dessen damaliger Abt Urban Weber (er regierte von 1628-1659) wusste offensichtlich die künstlerischen Qualitäten des jungen Mitbruders zu schätzen. Er beauftragte ihn, neue liturgische Gewänder für den Gottesdienst zu schaffen.
So entstand 1657 als frühestes Admonter Werk der Schutzengelornat. Nach langen Jahren einer gewissen Bilderfeindlichkeit in der Paramentik ist er ein interessantes und zugleich frühes Beispiel dafür, daß sich ab Mitte des 17. Jahrhunderts wieder figürliche Darstellungen durchsetzen konnten. Das zugehörige Antependium (Zierbehang des Altars) schmücken drei Heilige: Benedikt, Verfasser der Ordensregel, der Admonter Kloster- und Kirchenpatron Blasius sowie Papst Urban. Dieser trägt übrigens die Gesichtszüge des auftraggebenden Abtes Urban, ein schönes Beispiel für die Fähigkeit Benno Haans, portraithaft zu sticken. Die Kasel (Messgewand) zeigt Christus, Maria und einen Schutzengel, die Dalmatiken die Heiligen Stephanus und Laurentius. In der ornamentalen Verzierung ist dieses Frühwerk noch von der Re-naissance geprägt, es verdeutlicht die Vorliebe für eine exotische Pflanzen- und Tierwelt.
Als Benediktiner bemühte sich Benno Haan stets, das in der Ordensregel formulierte Ziel „Ut in omnibus glorificetur Deus – damit in allem Gott verherrlicht werde“ (Regel des heiligen Benedikt, Kap. 57, 9) zu verwirklichen. Nur so sind der Glanz und die Schönheit seiner Stickereien wirklich zu verstehen. Kirchliche Prachtentfaltung sahen seine Mitbrüder und er nicht als Ausdruck eigener Eitelkeit an, sondern als Versuch, Gott das Beste zu schenken. Zugleich sollten die Messgewänder etwas erahnen las-sen von der Herrlichkeit des ersehnten Paradieses.
Eine offensichtlich tiefe Vorfreude auf dieses unendliche himmlische Glück spricht aus dem Blick der Märtyrerin Katharina von Alexandria. Vom Antependium eines nach ihr benannten Ornates schaut sie, ebenso wie die hl. Barbara, verzückt, hoff-nungsvoll und gespannt nach oben, so als könnten beide schon die Engel sehen, die sie zu Gott geleiten sollten. Gestickte Medaillons Christi, Mariens und des hl. Johannes d.T. vervollständigen das theologische Programm, das der Admonter Abt Raimund von Rehling (er regierte von 1659-1675) offensichtlich stark beeinflusste: Sein Wappen wurde sogar eigens in die ornamentale Gestaltung eingebunden.
Dank der weitgehend ruhigen und stetigen Entwicklung des Klosters konnte Abt Raimund verschiedentlich als Auftraggeber und Kunstmäzen in Erscheinung treten. Nach den lange anhaltenden Wirren der Reformation und ihrer Folgen sowie später des 30-jährigen Krieges durfte Admont eine vergleichsweise dauerhafte Periode des inneren und äußeren Friedens erleben. Die Mönchsgemeinschaft führte die Erneue-rung und zeitgemäße Anpassung der Klosteranlage fort, bedeutende Künstler erhielten vor Ort zahlreiche Aufträge. Benno Haans Ruf reichte mittlerweile weit über Admont hinaus. Ornate entstanden in der Folge für die Klöster St. Lambrecht (Steier-mark) und Kremsmünster (Oberösterreich), Messgewänder für die Kirchen von Frauenberg (Steiermark) sowie Maria Plain (Salzburg). Dass der Meister der Nadel sich seiner Fähigkeiten und der Qualität der Arbeit durchaus bewusst war, zeigt die Kasel für den bedeutendsten österreichischen Wallfahrtsort Mariazell (Steiermark): Neben der Datierung (1665) trägt sie auch seinen gestickten Namenszug...
Benno Haan gestaltete seine Meisterwerke in Nadelmalerei und Reliefstickerei. Unter Nadelmalerei versteht man die Technik des Stickens, Flachstiche so ineinander zu führen, daß keine „Brüche“ zwischen den bunten Flächen entstehen. Die malerische Wirkung zeigt sich im Ineinanderfließen der Farben. Hingegen beeindruckt die Reliefstickerei besonders durch die Verwendung von Gold- und Silberfäden. Je nach Lichteinfall wechseln ihre Helligkeit und Reflektion, der Betrachter fühlt sich fast an Goldschmiedearbeiten erinnert. Das Zusammenspiel von Metall und Seide ändert sich bei jeder Bewegung und aus jedem Blickwinkel.
Als glanzvoller Höhepunkt des Schaffens darf wohl der Weihnachtsornat von Benno Haan angesehen werden. Datiert um 1680 und mit dem Wappen des bedeutendsten Barockprälaten in Admont, Abt Adalbert Heuffler von Rasen und Hohenbühel (er re-gierte von 1675-1696), versehen, umfasst er eine Kasel, zwei Dalmatiken (Assistenzgewänder), ein Pluviale (Vespermantel) und das Antependium. Nicht allein durch verschiedene Heiligendarstellungen beeindrucken diese Paramente, sondern auch durch illustrierende biblische Szenen. Das Messgewand zeigt in einem Hochmedaillon auf der Vorderseite Johannes den Täufer mit Kreuzstab, in einem Quermedaillon verschiedene Szenen aus seinem Leben, durch Zitate aus der Heiligen Schrift ergänzt. Die Rück- und eigentliche Schauseite vermittelt den Bezug nach Admont: Neben dem Mönchsvater Benedikt von Nursia ist der Kloster- und Kirchenpatron Blasius zu sehen. Getrennt werden die beiden Heiligen durch eine detailgetreu gestickte Darstellung der Gesamtanlage des Stiftes, wie sie um 1680 aussah!
An dieser Stelle ließ sich das Werk Benno Haans nur in Ausschnitten vorstellen. Einerseits ist es schlicht zu umfangreich. So wären zum Beispiel für Admont noch der Pfingst- und der Benediktusornat zu nennen sowie die Wandbehänge der Stiftskir-che, sodann die Arbeiten für andere Klöster und Gotteshäuser. Andererseits fehlt bis heute eine umfassende wissenschaftliche Monographie zum Wirken des dänischen Laienbruders in österreichischen Landen. Nicht vergessen werden darf weiterhin, daß ihn zumindest ein Mitbruder über viele Jahre hin bei der Arbeit unterstützte. Wenngleich dessen künstlerische Fertigkeit auch nicht die des Meisters erreichte, soll er doch an dieser Stelle zumindest namentlich erwähnt werden: Frater Joachim Lupperger (*1680, Profess 1708, +1741).
Benno Haan erlebte in seiner mehr als 60-jährigen Schaffenszeit im Kloster Admont sieben Päpste und sieben Äbte. Im hohen Alter von fast 90 Jahren verstarb er und hinterließ ein Werk von unschätzbar ideellen Wert. Getreu der benediktinischen Ver-pflichtung „Ergo nihil operi Dei praeponatur - dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden“ (RB 43, 3) bemühte er sich unermüdlich, Gott nicht nur im Gebet, sondern auch in der Arbeit zu dienen. Heute erinnert eine regelmäßig wechselnde Pa-ramentenausstellung im Stiftsmuseum Admont an diesen großen Künstler, der sich „mit der Nadel ein rühmliches Denkmal gesetzt hat.“