Architektonische
Gestaltung
Die Bibliothek des Benediktinerstiftes Admont ist schon bald nach ihrer Fertigstellung im Jahre 1776 ein „gar prächtiger Saal“ genannt und auch als „achtes Weltwunder“ beschrieben worden.
Dieser beneidenswerte Befund beruht zum einen freilich auf der grandiosen künstlerischen Ausgestaltung des Raumes in Form der Deckenfresken von Bartolomeo Altomonte, der Holzschnitzwerke von Josef Stammel sowie der in Weiß und Gold gehaltenen Bücherschränke mit den darin befindlichen Druckwerken.
Zum anderen hat aber vor allem die räumliche Gesamtgestaltung des Bibliothekssaales die Augen der Betrachter fasziniert.
Mit ihrer räumlichen Dimension von 70 m Länge, 14 m Breite und rund 13 m Höhe ist die Bibliothek des Stiftes Admont der größte klösterliche Bibliothekssaal der Welt.
Der Architekt dieser wahrhaft grandiosen Raumschöpfung war der aus Wien stammende Josef Hueber. Mit den Planungen zum Bau des Bibliothekssaales begann Hueber wahrscheinlich im Jahr 1764; die Bauarbeiten dürften 1773 abgeschlossen gewesen sein.
Als Vorbild für seine Planungen hat Josef Hueber den Prunkbau der kaiserlichen Hofbibliothek (heute: Nationalbibliothek) in Wien herangezogen und eine von insgesamt sieben Kuppeln überwölbte Abfolge von drei Teilräumen entworfen: Der zentrale Saalteil wird von einem einzigen großen Gewölbe überspannt; die beiden nord- und südseits angrenzenden Saalteile werden jeweils von drei elliptischen Kuppeln überdeckt.
Mit dieser raummäßigen Dreigliederung wird dem sehr lang gestreckten Saal eine gefällige Proportion und ein harmonisches Gesamterscheinungsbild verliehen. In den beiden langen Seitensälen zieht sich eine von Konsolen getragene Galerie entlang, wodurch die Zweigeschossigkeit betont und die Kuppelhöhe gedrückt wird. Anders im zentralen Saalteil: Hier hat der Architekt mit zwölf Gewölbe tragenden Marmor-Säulen einen bewusst „vertikalen Akzent“ gesetzt und auf eine Galerie verzichtet. Birgt der Mittelsaal doch auch das Allerhöchste: die göttliche Offenbarung in Form des Kuppelfreskos mit der Darstellung der personifizierten göttlichen Weisheit und verschiedenen Ausgaben der Heiligen Schrift sowie der Kirchenväter in Form der in den Bücherregalen aufgestellten Druckwerke.
Ein Kunstwerk noch ganz eigner Art stellt der Boden des Bibliothekssaales dar: Über 7.000 rautenförmige Steine aus weißem, rotem und grauem Marmor sind in so raffinierter Weise zu geometrischen Mustern gefügt worden, dass der Blick des Betrachters je nach subjektiver Wahrnehmung Bänder, Zickzack-Linien, Würfel oder flächige Stufengebilde erkennen kann.









