Interdisziplinäres Symposion am 9./10. Oktober 2009 anlässlich der Ausstellung "Prinzhorn-Collection" im Stift Admont

Erstmals in Österreich zeigt das Benediktinerstift Admont eine repräsentative Auswahl von 120 Werken aus der „Sammlung Prinzhorn“, Universitätsklinikum Heidelberg. Der deutsche Psychiater und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn (1886-1933) sammelte Arbeiten von PatientInnen, die ab 1880 in psychiatrischen Anstalten entstanden. 1922 erschien sein Buch „Bildnerei der Geisteskranken“. Die wechselvolle Geschichte der Sammlung wirkt mit ihrem transformativen Potential bis in die heutige Zeit.

Das Symposion zielt auf eine Betrachtung der „Sammlung Prinzhorn“ in ihrer dichten Komplexität und ihren vielschichtigen Wirkungsbereichen aus heutiger Perspektive ab. Die Sammlung entfaltet Themenfelder für unterschiedliche Zugänge und fungiert als Reibungs- und Bezugsfläche zu aktuellen Diskussionen und Entwicklungen im Gesamtkontext von Kunst, Medizin und Therapie, Spiritualität und Gesellschaft, welche beim Symposion aus der Sicht der Wissenschaft und Praxis beleuchtet werden.

Im Rahmen dieses Symposions soll die produktive Spannung zwischen den einzelnen Zugängen entfaltet werden. Diesem Wirkungsfeld liegt das Potential zur Formung neuer Denkräume und Handlungsspielräume inne. Die in der Gesellschaft sich hartnäckig haltenden Klischees und Vorurteile, Mythen und Legenden zu Kunst, Psyche und Therapie können dadurch möglicherweise aufgeweicht werden.

Im Themenkomplex des Symposions liegt die immer wiederkehrende Frage nach dem Bewusstsein um die Realität individueller eigener Sichtweisen, Gefühle und Denkformen – und damit die Möglichkeit der Sensibilisierung dafür. Internationale Recherchen und der Blick auf verschiedenste Arbeitsbereiche in Wissenschaft und Praxis zeigen den klaren Bedarf an einem erweiterten interdisziplinären Diskurs in Österreich. Aufgrund dieser Dynamik bietet das Symposion Begegnungsmöglichkeiten im diskussionsreichen Raum.

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Anmeldungen werden bis 7. Oktober 2009 bei Frau Mag. Barbara Eisner-Braunsteiner unter sinnovation@utanet.at oder Tel.: +43 (0) 664 28 24 851 entgegen genommen.


Nähere Informationen zum Symposion hier!



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Noch bis 8. November 2009 ist die Prinzhorn-Collection, eine Sammlung von Werken psychiatrischer Patienten aus der Universitätsklinik Heidelberg, im Stift Admont zu sehen. Diese Sammlung ist erstmals in dieser Form in Österreich ausgestellt. Inmitten der Klostermauern im Museumskomplex des Stiftes Admont öffnet man mit dieser Ausstellung den Besuchern eine neue Sichtweise auf die Kunst.

Die Zeichnungen, Gemälde, Collagen, Textilien, Skulpturen und Texte, die Hans Prinzhorn (Arzt und Kunsthistoriker, 1886–1933) zu Beginn des 20. Jahrhunderts sammelte, wurden ausnahmslos von Menschen geschaffen, die Patienten psychiatrischer Kliniken waren. Menschen sind von diesen Werken ungeheim fasziniert. Diese Wanderausstellung von Heidelberg war zuvor bereits in Stavanger und anschließend in Prag zu sehen war, wo bereits 13.000 Menschen in ihren Bann gezogen wurden, bevor sie nun erstmals in Österreich gezeigt wird. Die Prinzhorn-Sammlung spielte eine Schlüsselrolle bei der Entstehung der modernen Kunst. Sie soll in ihrem historischen Kontext vorgestellt werden, auch was den Missbrauch durch die Goebbels-Propaganda betrifft.

Dass Hans Prinzhorn diese Sammlung zusammentrug, hat viel dazu beigetragen, die künstlerische Leistung der Patienten zu würdigen. Noch bis 8. November 2009 lädt die Ausstellung dazu ein, sich mit der besonderen Sichtweise der Künstler zu beschäftigen. Die meisten von ihnen wurden erst nach einer Erkrankung schöpferisch tätig. Umso erstaunlicher ist es, dass gerade sie es waren, die berühmte Künstler wie Paul Klee oder Pablo Picasso in ihrer Arbeit inspirierten. Sind es doch Exponate, die auf eigentümliche Weise einen direkten Zugang zu den Empfindungen der Künstler eröffnen. Und diesen Weg zu beschreiten, das ist sicher auch für Künstler von Weltruhm außerordentlich reizvoll.

Wie es zu der Ausstellung im Stift Admont kam, ist ein vor 14 Jahren begonnenes Gespräch zwischen Dr. Michael Braunsteiner und dem jetzigen Subprior P. Winfried Schwab, der vor seinem Eintritt in das Kloster in Heidelberg studiert hat. Damals hat es zwar das großartige Museum im Stift Admont noch nicht gegeben, aber der Wunsch für diese Ausstellung wurde bereits geäußert. Die höchste Qualität und die für Besucher aufgrund der figurativen Darstellung einfach wahrnehmbaren Werke regen an, sich damit auseinander zu setzen. Besonders interessant ist die Tatsache, unter welchen Umständen diese Werke entstanden sind. Es ist jedoch hinzuzufügen, dass die Diagnosen der Psychiatriepatienten nicht veröffentlicht wurden, da sie den Blickwinkel einschränken und den Zugang zu den Bildern erschweren würden.



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