Der unsichtbare Garten

Der unsichtbare Garten von Johannes Deutsch – Eine Tast-, Riech- und Hörinvasion

Frage: Entsteht durch die mentale Verarbeitung Ihrer Sinneseindrücke und Wahrnehmungen eine realitätsnahe oder eine phantasienahe Welt? Gehen Sie mit verbundenen Augen durch einen unsichtbaren Garten!

Der unsichtbare Garten_Johannes Deutsch_Stift Admont (2)Um unser „Weltbild“ zu erlangen, durchlaufen wir komplexe und oft nicht selbstverständliche Prozesse der Wahrnehmung, der Sinnes- und Wissensverarbeitung. Das gilt für unsere realen und die virtuellen Welten. Der Medienkünstler Johannes Deutsch hat in Kooperation mit dem blinden Wissenschafter Björn Einecke vom Institut für Erziehungswissenschaften an der Universität Frankfurt und dem Stiftsgärtner Karl Amon ein außergewöhnliches „Made for Admont“-Kunstobjekt geschaffen: Ein Museumsgartenobjekt, das sich als Tast-, Riech- und Hörinvasion versteht.

Dabei handelt es sich nicht um einen Garten für blinde Menschen, sondern vielmehr um einen, in welchem blinde Menschen für sehende Menschen neue Sinneserfahrungen einbringen können und in welchem sehende Menschen mit blinden Menschen in einen Erfahrungsaustausch treten können. Zu diesem Zweck verbindet sich jeder BesucherIn vor Betreten des Gartens die Augen und nimmt die Expertenführung einer blinden FührerIn durch den Garten in Anspruch.

Der Garten ist dem Modell der Interaktion und Immersion in einer virtuellen Welt nach-konzipiert und erschließt sich folglich erst durch die gezielte Navigation. Dieser besondere Garten grenzt an den Kräutergarten an. Nach außen hin wird er von einer dickichtartigen Einfassung aus Fichten blickdicht und hermetisch abgeschlossen. In seinem Inneren er-schließen sich außervisuellen (Fühlen, Riechen etc.) Sinnen über einen Weg begehbar verschiedene Jungbäume aus der Region nach haptischen, olfaktorischen und akustischen Kriterien ausgewählt und eingepflanzt.

Unsere Hände (wie auch unser Gehör und unser Geruchssinn) werden zum „Datenhand-schuh“ und Navigator durch diese Immersion der natürlichen und jetzt doch ungewöhnlichen Wahrnehmungswelt. Unsere blinden Museums- und KunstführerInnen sind in der Navigation durch dieses widerstrebende Dickicht geübter. Im Erfahrungsaustausch helfen sie uns bei der Erschließung dieser Welt. Sie entfachen aber auch bewusstseinserweiternd unsere Aufmerksamkeit für spezifisch plastische, taktile und olfaktorische Qualitäten des Museumsgartens.


Sehen Sie hier ein kurzes Video über den unsichtbaren Garten: